Posts

Ein Plädoyer für die Länge - Von Artikeln und Aufmerksamkeit

Bild
Hallo zusammen. Heute gibt es mal einen etwas anderen Post, einen der deutlich kürzer sein wird, als meine üblichen. Es geht dabei um Feedback, dass ich immer wieder sowohl online als auch im real life zu hören bekomme: Deine Artikel sind zu lang, dass kann doch kein Mensch lesen heutzutage. Meistens folgt dann die Aussage, dass man ja nicht genug Zeit dafür hätte. Ähm, ernsthaft? Ich will ja nichts sagen, Leute, aber es ist nicht so als ob ich hier jedes mal Krieg und Frieden reinschreiben würde, oder eine mathematische Abhandlung über das Verhalten von Bose-Einstein Kondensat in elfdimensionalen Umgebungen.

Es ist aber nun mal so, dass ich in meinen Posts oftmals etwas komplexere Themen behandle, und da brauch ich schon mal ein paar Absätze, um eine Argumentationslinie aufzubauen, oder die Hintergründe genauer darzulegen, gerade wenn es zum Beispiel um Themen geht, die sich hier auf Irland beziehen, wie z.B. meinen Artikel zu den Parlamentswahlen letztes Jahr. Das braucht seine Zeit,…

Im Schleppermilieu - Am Haken im Hamburger Hafen

Bild
The English version of this article can be found here.
Wie war das nochmal? Alle großen Abenteuer beginnen mit einer durchgeknallten Familie und einem Hafenschlepper? Wie, so fangen sie nicht an? Nun, diese hier auf jeden Fall, und es gibt auch einen guten Grund dafür, der nichts damit zu tun hat, dass ich in eine derart durchgeknallte Familie hinein geboren wurde. Ja ja, okay, ich geb es ja zu. Es hat ALLES damit zu tun, dass ich in eine solche Familie hinein geboren wurde. Wisst ihr, meine Familie ist erst kurz nach meiner Geburt in das Haus gezogen, in dem ich dann aufgewachsen bin. Vorher lebten meine Eltern in einem anderen Neubaugebiet, Muster Neue Heimat 08/15. Einer unserer Nachbarn dort war ein Seemann vom alten Schlag, der sein Leben auf Bergungsschleppern verbracht hatte, und die letzten Jahre bis zu seiner Rente eine ruhige Kugel auf einem Hafenschlepper im Hamburger Hafen schob. Ganz offen, als kleiner Junge hatte ich eine Heidenangst vor diesem Nachbarn. Nicht nur dass se…

In Memoriam Susanne Milde - 1956 - 2017

Bild
Es fällt mir verdammt schwer, diese Zeilen zu schreiben. Ich weiß noch nicht einmal wirklich, wie ich anfangen soll, da es immer noch schwer zu erfassen ist, was da vor knapp einem Monat in Mannheim passiert ist. Jedoch ist es leider eine bittere Realität. Susanne Milde, meine Mutter, ist in den frühen Morgenstunden des 28. Juni 2017 in der Uniklinik Mannheim gestorben. Trotz ihrer kämpferischen Einstellung hat sie den Kampf gegen den Krebs und seine Nebenwirkungen schlussendlich doch verloren. Ich gestehe offen ein, dass ich noch immer unter Schock stehe. So lange ich mich zurückerinnern kann, war sie immer da. Sie war oftmals der ruhende Pol in unserem doch dezent chaotischen Leben. Sei es im Norden Deutschlands, wo mein Abenteuer vor fast 36 Jahren seinen Anfang nahm, und wo meine Mutter damit konfrontiert war, neben ihrer Karriere auf einmal auch so ein schwer zu bändigendes kleines Bündel irgendwie unter Kontrolle zu halten, sei es in Prag, wo eben jenes Bündel seine Teenagerjahre…

In eigener Sache - Blogpause

Dies wird ein sehr kurzer Eintrag. Da es in meiner Familie leider zu einem unerwarteten Trauerfall gekommen ist, werde ich in nächster Zeit nicht dazukommen, neue Artikel zu veröffentlichen. Ich bitte um euer Verständnis.

Buchkritik Apple Intern - Echt jetzt?

Bild
Seit einigen Monaten ist ein einziges Buch immer wieder Gesprächsthema, wenn ich mit ehemaligen Kollegen aus meiner Zeit bei Apple spreche. Und die Kommentare, die ich höre, sind fast durchgehend negativ. Worum es geht? Apple Intern, geschrieben von Daniela Kickl, ihres Zeichens ehemalige AppleCare-Mitarbeiterin. Im Vorfeld seiner Veröffentlichung wurde es in den Medien als das Enthüllungsbuch schlechthin zum Thema Apple gehandelt, als Abrechnung mit den angeblich unmenschlichen Umtrieben von Apple in Cork. Es kam auch genau zum rechten Zeitpunkt, als der seit Jahren schwelende Rechtsstreit zwischen der Irischen Regierung und der Europäischen Kommission über angeblich illegale Steuervorteile für Apple wieder aufflammte. Da ich selbst nicht unbedingt im guten mit Apple auseinandergegangen bin, war ich natürlich neugierig. Welche Kritikpunkte würden in dem Buch angesprochen werden? Und wie zum Geier hatte sie es überhaupt geschafft, das Buch herauszubringen, wo Apple es doch erfahrungsg…

EUnbrauchbar - Gedanken zur "Digitalpolitik" der Europäischen Union, Teil 4

Bild
Willkommen zum vierten und letzten Teil meiner Artikelreihe zum Versagen der Digitalpolitik der EU. Im vorherigen Teil habe ich etwas genauer beleuchtet, wie die Bedingungen für Startups in Europa deutlich verbessert werden können. Das schwierigste habe ich mir  für den Schluss aufgehoben, nämlich die Mentalität, die nötig ist, um eine echte Startup-Kultur auf die Beine zu stellen, und so ein dringend nötiges Gegengewicht zu den USA zu bilden.

Der letzte Punkt ist der wichtigste, aber gleichzeitig auch der schwierigste. Es muss nämlich endlich ein Umdenken stattfinden. Das Internet, die "digitale Revolution" um es mal etwas hochtrabend zu bezeichnen, sind Fakten, und lassen sich nicht mehr wegargumentieren, oder ignorieren. Man sollte daher aufhören, sich mit fadenscheinigen Argumenten dieser Entwicklung zu verschließen, oder herablassend über diejenigen zu lästern, die sich aktiv auf selbige einstellen. Hierbei sind sowohl die Politik, als auch die Bürger Europas gefragt. Es…

EUnbrauchbar - Gedanken zur "Digitalpolitik" der Europäischen Union, Teil 3

Bild
Willkommen zum dritten Teil meiner Artikelreihe über die "mangelhafte" Politik der Europäischen Union im digitalen Bereich. Im vorherigen Teil hatte ich ich mir die Bedingungen angeschaut, die zur Entstehung des Silicon Valley und der dort beheimateten Firmen geführt haben. In diesem Teil mache ich mir Gedanken darüber, was für Infrastrukturelle Maßnahmen erforderlich sind, um hier in Europa flächendeckend eine Startup-Kultur auf die Beine zu stellen.

Wie kann man da jetzt vorgehen? Nun, im Endeffekt hängt alles am Geld. Gerade in der Anfangsphase, wenn aus einem Gründer und einer Idee mehr wird, als nur eine Powerpoint-Präsentation, sind Startups auf jede Menge Geld angewiesen, sei es für Marktforschung, rechtlichen Beistand bei der Unternehmensgründung und dem Festlegen der besten Unternehmensform, und dem anheuern der ersten Mitarbeiter. Dies ist allerdings, auch im Jahr 9 nach der Bankenkrise, nicht wirklich leicht zu bekommen, wenn man nicht gerade einen iPhone-Killer pr…

EUnbrauchbar - Gedanken zur "Digitalpolitik" der Europäischen Union, Teil 2

Willkommen zum zweiten Teil dieser Artikelreihe. Im ersten Teil habe ich dargelegt, wie Europa in meinen Augen dabei versagt, ein wirksames Gegengewicht zu den großen US-Internetkonzernen auf die Beine zu stellen, und wie europäische IT-Projekte immer wieder zu ergonomischen Rohrkrepierern werden, da man Experimenten generell eher abgeneigt ist.

Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt, und dieser hat tatsächlich etwas mit der Herkunft der großen Internetgiganten zu tun. In den 1960ern und 1970ern kamen am südlichen Ende der Bucht von San Francisco, um die Stadt San Jose, eine ganze Reihe von wichtigen Faktoren zusammen. Das kalifornische Schulsystem war lange Jahre eines der besten der USA, Berkeley und CalTech, zwei der besten Hochschulen der USA waren ganz in der Nähe, und Forschungseinrichtungen wie das Ames Research Center der NASA, oder das Jet Propulsion Laboratory taten ihr übriges, um ein hohes Bildungsniveau in der Region zu gewährleisten. Gleichzeitig gilt die Westküste der…

EUnbrauchbar - Gedanken zur "Digitalpolitik" der Europäischen Union, Teil 1

Bild
Kinners, man hat es echt nicht leicht mit Europa. Und ich meine damit mal nicht Spaltpilze wie Marine "Je m'apelle Adolf" Le Pen, H.C. "Alpen-GröFaz" Strache und andere Idioten. Dieses mal rede ich von einem hausgemachten Problem. Es geht nämlich darum, dass Europa, vor allem die großen Kernländer Europas, im IT-Bereich immer mehr zurückfallen. Der Markt wird längst, mit einigen Ausnahmen, von US-Konzernen dominiert. Egal ob Hardware, Betriebssysteme, oder Anwendungen, praktisch alle ernstzunehmenden Marktteilnehmer stammen aus den USA. Und ja, die EU-Kommission hat schon recht, wenn sie dies als potentielles Problem ansieht. Der aktuelle politische Amoklauf des Trump-Regimes zeigt dies ganz deutlich. Und ja, mir wäre es, obwohl ich mein MacBook nach wie vor sehr gerne nutze, lieber, wenn es zwischen Windows und MacOS noch weitere alternative Betriebssysteme gäbe. Damit meine ich wohlgemerkt nicht irgendwelche heillos zersplitterten Linux-Distris, deren Communi…