Das Kamikaze-Referendum - Gedanken zum Brexit

Sorry Leute, ab er ich muss mir hier einmal den Frust von der Seele schreiben. Die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs hat gestern in einer Abstimmung beschlossen, aus der Europäischen Union auszutreten. Das Land begibt sich damit auf einen geopolitischen Kamikazeflug, in dem nicht nur die wirtschaftliche Zukunft des Landes, sondern auch der Zusammenhalt des Königreichs an sich leichtfertig auf's Spiel gesetzt wird. Während nämlich London noch versucht, sich neu zu orientieren, werden von Nicola Sturgeon, der schottischen Premienministerin und Vorsitzenden der SNP in Edinburgh mal eben Fakten geschaffen. Dort beginnen die Planungen für ein erneutes Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands. Man fühlt sich durch das Referendum hintergangen, in meinen Augen absolut zurecht. Und auch in Nordirland, das ebenfalls deutlich für einen Verbleib in der EU gestimmt hat, tendien beträchtliche Teile der Regierung in Belfast zu einem Referendum über die Lossagung von Großbritannien und einen Beitritt zur Republik Irland. Es besteht die reelle Möglichkeit, dass tumber englischer Nationalismus das schafft, was 400 Jahre Freiheitskampf der Iren nicht geschafft haben.
Viel schlimmer als der Zerfall des Vereinigten Königreiches oder der Austritt von selbigem aus der EU ist jedoch die Tatsache, wie dies bewerkstelligt wurde. Da wurden an den Haaren herbeigezogene Tartarenmeldungen über Ausländer durch die Presse getrieben, Flüchtlinge allesamt als Schmarotzer und Terroristen dargestellt, und die EU selbst mal eben als Reinkarnation des 3. Reiches dargestellt. Allen voran der Briten liebster Breitmaulfrosch, Nigel Farage von der UK Independence Party, kurz UKIP. Dass dieser neben offenem Rassismus (Die Argumentation gegen Flüchtlinge funktioniert nun mal nur, wenn man diese durch die Bank als minderwertig ansieht) mit nachweislichen Lügen in den Wahlkampf gezogen ist (350 Millionen Euro gehen jede Woche an die EU), interessiert seine selbstverliebten, verknöcherten und xenophoben Unterstützer natürlich nicht.
Und wer kommt natürlich aus dem Unterholz gekrochen, sobald die EU irgend einen Dämpfer bekommt? Natürlich, die verkappten und offenen Nazis vom Front National, der (NS)AfD, oder der Heil-Strache-Partei FPÖ. Und dieses braune Gewürm ist es, was mir am meisten Sorgen macht. Genauer gesagt, die hirnamputierten Vollidioten, die diesen Salon-Nazis blind nachlaufen, der Meinung nach, sie könnten sich etwas auf ihre Staatsbürgerschaft einbilden, und in Flüchtlingen bzw. Ausländern generell die Brut des Teufels sehen. Dieser Abschaum, und ja, mehr sind diese Gestalten für mich nicht, krakeelt schon rum, dass man doch jetzt gefälligst auch in Deutschland so ein Referendum abhalten müsse, in Frankreich sowieso, und überhaupt man doch die ganzen Diener der Brüsseler Diktatur am nächten verfügbaren Baum aufknüpfen sollte. 
Diese Vollpfosten ignorieren damit geflissentlich, dass es alleine die EU und die durch sie erfolgte Verknüpfung der Mitgliedsstaaten untereinander ist, die in den letzten Jahrzehnten ein erneutes Aufflammen der Spannungen zwischen alten Konkurrenten wie Frankreich und Deutschland verhindet hat. Diese Verknüpfungen, das enge wirtschaftliche Geflecht zwischen den Staaten, und auch die Freizügigkeit für EU-Bürger, waren über lange Zeit ein Garant für wirtschaftlichen Fortschritt, und auch für Wohlstand in Europa, während nationale Regierungen immer bestrebt waren, eben diesen Wohlstand nicht zu weit zu verteilen. Richtig gelesen. Es war allein die deutsche Regierung, genauer gesagt die Regierung Schröder, die die Hartz-Gesetze zu verantworten hatte, und damit den Aufbau eines Niedriglohnsektors in Deutschland ermöglicht hat, und eben nicht Brüssel. Das interessiert natürlich die Braun-Nachläufer und "Ich bin ja nicht rasssistisch, ABER"-Rassisten nicht die Bohne. Diese sehen sich durch den Brexit noch bekräftigt, und merken mit ihrem halben Dutzend verbliebener Gehirnzellen gar nicht, dass ein Zerfall der EU geradewegs in den nächsten Krieg führen wird. Nur wird Europa dieses Mal nicht mehr die Kraft haben, aus den Trümmern etwas neues aufzubauen. Und wenn es dann soweit ist, drei mal dürft ihr raten, wer dann wieder den großen deutschen Tugenden Ignorieren, Wegschauen, Verschweigen, Von nichts gewusst haben, und Anderen die Schuld geben folgen wird? Richtig, unsere Dummbraunen "Freunde".
Nicht das ein EU-Austritt irgendwelche anderen Probleme aus der Welt schaffen würde. Die Globalisierung ist hier, und sie wird so schnell nicht verschwinden. In einer Welt, in der die eigenen Daten auf Serverfarmen um den halben Erdball verstreut sind, und man innerhalb von 24 Stunden und mit 1-2 mal umsteigen an fast jeden Ort der Erde gelangen kann, sind Nationalstaaten gar nicht mehr in der Lage, für ihre Bürger ausreichend zu sorgen. Nationalstaaten sind über kurz oder lang ein Auslaufmodell, das zeigt sich allein schon, wenn man einen Blick in die Geschichtsbücher wirft. Von den Anfängen menschlicher Kultur ging der Trend immer von kleinen Familien und Klans, über Stämme, Dörfer, Städte, und Königreiche zu immer größeren Einheiten. Dieser Trend ist nicht aufzuhalten, Länder, die versuchen, sich dem entgegenzustellen werden daran zwangsläufig scheitern. Das Vereinigte Königreich steht kurz davor, dies eindrucksvoll zu demonstrieren.

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