Blogger - Warum schreiben wir?

Blogger. Was sind das eigentlich für welche? Und vor allem, warum machen Sie dass, was Sie machen? Warum schreiben Sie? Dass sind Fragen, die ich mir häufiger gestellt habe, nachdem ich nach dem Tod meines Vaters eine Zeit lang beim bloggen, und auch bei meinen YouTube-Aktivitäten einen Gang runtergeschüttet hatte, und gesehen habe, wie meine Besucherzahlen immer mehr sanken. Warum tue ich mir das an? Die Besucherzahlen lassen generell zu wünschen übrig, die Adsense-"Einnahmen" können einen zum Alkoholiker machen, und die Arbeit, die man in einen Artikel reinsteckt, wird kaum wirklich wahrgenommen, selbst wenn man einmal ein gutes Ranking bei Google einfahren sollte. Warum mache ich das also?
Glaubt man den großen deutschen Kommentarkriegern, ist jeder, der so etwas macht, einfach nur ein degenerierter Wichtigtuer.

Nun, wenn man den Deutschen Internet-Durchschnittsbürger fragt, ist die Sache glasklar. Blogger machen ihr Ding, weil sie halbstarke Nervensägen mit übertriebenem Geltungsdrang sind, die das ganze vor allem machen, damit Sie keinen "echten" Job machen müssen, in dem Sie es eh zu nichts bringen würden, da sie komplett unfähig sind. Bei den Kollegen von der schreibenden Zunft, den Journalisten, sieht es nicht wirklich besser aus. Blogger gelten als unfähige Stümper, die nicht in der Lage sind, vernünftig zu recherchieren, als bessere Gaffer, und generell als störende Elemente. Das Vorgehen um den neuen Presseausweis in Deutschland, bei dem kategorisch jeder, der nicht Vollzeit hauptberuflich journalistisch aktiv ist, automatisch ausgesperrt wird, ist typisch für diese Einstellung.  Typisch deutsche Herrenmenschen-Attitüde allerorten, also. Der Drang nach öffentlicher Akzeptanz dürfte die meisten Blogger also schon einmal nicht antreiben. Das gleiche gilt für finanzielle Motive, denn wenn man nicht gerade stupider Auftragsschreiber ist, oder bereits vor unendlich langer Zeit angefangen hat, ist die Einnahmeseite ziemlich mau.
Die Motive an sich sind mannigfaltig, und ich kann nur für mich alleine sprechen, da ich bis dato kaum Kontakt mit anderen Bloggern gehabt habe. Für mich selbst steht das erschaffen im Vordergrund. Ein reiner Konsum von Informationen reicht für mich nicht aus, ich will selbst etwas leisten. Dabei kommt es mir noch nicht einmal darauf an, möglichst viele Clicks zu bekommen, auch wenn ich darüber natürlich alles andere als böse wäre. Allein die Tatsache, dass ich Inhalte produziere, die vielleicht andere Menschen unterhalten, oder ihnen von Nutzen sein können, reicht mir schon aus. Einfach nur stupide vor dem Fernseher sitzen ist einfach nichts mehr für mich. Okay, als Kind oder Teenager sah das noch anders aus, aber mittlerweile bin ich mit selbst produziertem Content einfach besser unterwegs. Nicht zuletzt entwickelt man, wenn man selbst aktiv Inhalte produziert, auch ein viel besseres Verständnis dafür, wie viel Zeit für so ein Projekt drauf geht. 
Ja, ich gebe zu, ab und an tut es gut, das Hirn abzuschalten, und die Konsole hochzufahren. Auf die Dauer ist mir so etwas aber eindeutig zu wenig.

Nebenbei ist es aber bei mir auch noch etwas anderes. Ich bin einfach von der Möglichkeit, seine eigenen Gedanken auf's digitale Papier zu bringen, und der gesamten Welt zur Verfügung zu stellen, absolut fasziniert. Dies ist umso mehr der Fall, da meine Kindheit zu einer Zeit stattfand, als es diese Möglichkeit noch gar nicht gab. Es war technisch gar nicht möglich. Selbst als ich 1998/99 meinen ersten Laptop, einen guten alten IBM Thinkpad 755CD, bekam, war dies nichts weiter als ein kühner Traum, der höchstens in Star Trek Deep Space Nine vorkam. Die Möglichkeiten, die einem die zunehmende WLAN-, und Internetverfügbarkeit, sowie Plattformen wie blogger.com oder wordpress.com bieten, sind für mich alles, nur keine Selbstverständlichkeit, und es ist in meinen Augen essenziell, diese Möglichkeiten vernünftig zu nutzen. Merke: Einfach nur stupide seine Facebook-Freunde in irgendwelchen Memes taggen ist keine vernünftige Nutzung.
Entwertet es die Lebenserfahrung oder Arbeitsleistung eines Menschen, wenn er lieber mit einem Laptop arbeitet, als in einer Fabrik zu malochen?

Aber auch das ist noch lange nicht der volle Grund. Ich bin der Meinung, dass jedes Menschenleben eine Geschichte ist, die es sich zu erzählen lohnt. Manche Lebensläufe lesen sich wie ein Sommerblockbuster von Steven Spielberg, während andere eher aus der Feder von Douglas Adams oder Monty Python entsprungen zu sein scheinen. Manche Lebensgeschichten erinnern an antike griechische Tragödien, während wiederum andere entweder an überladenes deutsches Sozialpädagogenkino erinnern. Die subjektiven Qualitätsmerkmale sind dabei aber allesamt eher nebensächlich, denn jeder Mensch sieht sein Leben schließlich durch die ihm eigene, einzigartige Linse. Wichtig ist, dass jeder Mensch Erlebnisse und Erfahrungen mit sich trägt, die unter allen Sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten einzigartig sind. Jede dieser Geschichten ist es wert, gehört zu werden, und wenn ich mit meinem Geschreibsel hier auch nur einen dieser Menschen dazu ermuntern kann, selbst seine Geschichte aufzuschreiben, und zu präsentieren, dann ist dies schon ein riesiger Erfolg.
Für den letzten Punkt muss ich zum Anfang zurückkehren, schöne Grüße an Professor Möbius und seine Schleife an dieser Stelle. Denn es kommt wieder auf den Journalismus zurück. Denkanstoß für diesen Punkt, und im Endeffekt für den Artikel war eine Email eines Freundes als Reaktion auf einige Schnitzer, die ich mir im Eifer des Gefechts bei meinem letzten Artikel geleistet hatte. Die Aussage ist sinngemäß dass die Qualitätssicherung bei den großen Zeitungen und Verlagen auch nicht mehr das ist, was sie einmal war. Ich muss jetzt ganz offen eingestehen, dass die Pressefreiheit mit die wichtigste Freiheit in einer modernen Demokratie ist, und dass die deutsche Presselandschaft eine extrem wichtige Funktion hat. Die Punkte, die mein Freund anspricht, sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Die Qualitätsstandards, sowohl im Bereich Recherche, als auch im Bereich Grammatik und Rechtschreibung, sind schon seit Jahren in einem stetigen Sinkflug, unabhängig vom Verlag oder Medienhaus. Ich merke dies gerade auch aus meiner Perspektive hier in Irland, von wo aus man beobachten kann, wie verschoben und falsch die Situation in Irland in den deutschen Medien dargestellt wird. Dies kann ich nicht auf mir sitzen lassen, erst recht nicht in Anbetracht dessen, was Irland mir ermöglicht hat. Und es ist genau an dieser Stelle, an der Blogger, gerade auch Hobbyblogger wie ich, ansetzen, und ein dringend benötigtes korrektives Element bilden können, und ganz offen gesagt auch müssen.
Dies sind also meine vier Triebfedern: Das Bedürfnis, nicht nur passiv zu konsumieren, die Faszination mit der Technik, das Bewusstsein, dass jeder Mensch eine erzählenswerte Geschichte hat, und eine Ergänzung und Korrektur zu den "klassischen" Medien. Macht mich das jetzt "geltungssüchtig"? Vielleicht, vielleicht auch nicht, und selbst wenn, ist es denn so schlimm? Entwertet eine derartige "Geltungssucht" den Inhalt des jeweiligen Blogs? Mindert es die Geschichte, die das Leben des jeweiligen Bloggers darstellt? Mitnichten. Wenn diejenige oder derjenige es für richtig erachtet, seine Stimme zum "Chor" der Blogger hinzuzufügen, dann ist dies ganz im Gegenteil sogar zu begrüßen!
Wie sieht es bei euch aus, liebe Leser? Seid ihr selbst Blogger? Was treibt euch an? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen, mich würde wirklich interessieren, was ich hier für Menschen tummeln.

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