Back to Bad Aussee - Eine unerwartete Rückkehr...

Manchmal holt einen die Vergangenheit ein.
Nein, es kommen jetzt keine Geschichten aus meinem Geheimen Leben als Call Center Agent, obwohl, das wäre auch mal ein interessantes Thema. Hier geht es um eine Reise zurück in meine Zeit als Schüler in Österreich. Ich hatte hier das "Vergnügen", 5 Jahre meines Lebens zu verbringen. Vieles von dem, was ich in meinem Berufsleben täglich anwende, habe ich hier erlernt. Allerdings ist bei weitem nicht alles offizieller Lehrstoff gewesen.
Aber wie ist es dazu gekommen, das ich über 10 Jahre, nachdem ich Österreich verlassen habe, auf einmal wieder dorthin zurück wollte, vor allem noch von Irland aus, was ja weiß Gott nicht um die Ecke liegt?
Nun, eines schönen Tages tauchte bei mir in Facebook eine Privatnachricht auf. Sie stammte von einem ehemaligen Mitschüler von mir. Es ging dabei um ein Treffen zum 10-jährigen Maturatreffen. Ich war zuerst etwas skeptisch, vor allem in Anbetracht der Tatsache, das diese Nachricht komplett aus dem blauen kam. Andererseits, die Mail Nachricht enthielt keinerlei Links, und etwaige eingebettete Scripts hätten nur meinen Arbeitsrechner betroffen. Also habe ich zugesagt. Zwei Mails später hatte ich dann auch die Details, und konnte daran gehen, die passenden Flüge zu suchen. 
Die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Das es ab Cork keine günstigen Alternativen gab war klar, und 5000€ überstieg nun mal wirklich sowohl meine Toleranzgrenze, als auch meine Finanziellen Möglichkeiten. Also ab Dublin wieder mal. Nur wohin Fliegen? Nach München?, da Hätte ich auch ab Cork fliegen können. Bis Frankfurt, und dann weiter mit dem Zug? Sorry, die Reise ist so schon lang genug. Nach Graz? Die Preise sehen gut aus, aber Abflug um 0900 in Dublin? Das würde bedeuten spätestens um 0700 am Flughafen sein zu müssen, also Abfahrt in Cork um Vier Uhr morgens. Sorry, So nicht.
Im Endeffekt lief es also auf eine Odyssee hinaus, mit Swiss nach Zürich, von dort weiter mit Austrian nach Wien. Nach einer Übernachtung in Wien dann weiter mit dem Zug nach Bad Aussee. Zwei Tage später würde es mit dem Zug wieder zurück nach Wien gehen, und nach einer weiteren Übernachtung zurück nach Dublin. Der Rückflug würde mit Lufthansa erfolgen, und einen fast dreistündigen Stopover in Frankfurt beinhalten.
Besser würde es nicht werden, und nach einer traumatischen Nacht für meine Kreditkarte und mein Bankkonto war dann auch alles gebucht. Zum ersten mal seit Jahren würde ich also zu einem Teil meiner Wurzeln zurückkehren.
Die folgenden Teile des Berichts wurden während der Reise geschieben. Ich habe versucht sie so unverändert wie möglich zu lassen, um einen möglichst authentischen Bericht zu gewährleisten. Nur allzu schlimme Stilbrüche wurden korrigiert.

Tag 1: Nix wie runter von dieser Insel

Abfahrt vom St. Patrick's Quay in Cork ist um 0600. Warum komm ich nur immer wieder auf diese Ideen, WARUUUMMM???? Naja, wenigstens ist der Bus ziemlich leer. Die Morgenstimmung im Hafen von Cork hat außerdem auch was für sich.

Morgenstimmung im Hafen von Cork.
Die Fahrt nach Dublin verläuft ohne größere Besonderheiten. Einige wunderschöne Lichtstimmungen in der Gegend um Cahir, North County Cork. Filmriss zwischen Cashel und Tallaght. Selbst die Durchfahrt durch den Curragh bei Kildare hab ich verpennt, was ich eigentlich immer versuche mitzubekommen. Ich schein wirklich wenig geschlafen zu haben in der Nacht zuvor.
Starker Stadtverkehr in Dublin, wie zu erwarten an einem Freitag Morgen gegen 0900. Trotzdem kommen wir gut durch. Eine Schrecksekunde, eigentlich Schreckminuten, gibt es am St. George's Quay in Dublin, wo die Passagiere mit Ziel Dublin Innenstadt abgesetzt werden. Der Bus bewegt sich keinen Millimeter weiter! Als Tech Supporter stelle ich fest, das der Fahrer ganz professionell vorgeht: Nach offensichtlichen Schäden suchen, normaler Neustart, abschalten, wieder anschalten. Bringt alles nix. Erst ein Anruf bringt die Lösung. Wenn doch nur jeder diese einfachen Schritte durchführen würde, bevor er beim Support anruft!
Nach ca. 10 Minuten geht es endlich weiter zum Flughafen, den wir trotz allem noch halbwegs pünktlich erreichen. Mittlerweile fliege ich zum dritten mal über Dublin, es stellt sich also eine gewisse Routine ein!


70er-Jahre-Barock vom feinsten am Flughafen Dublin - Trotzdem noch angenehmer als das "Skylink"-Terminal in Wien.
Am Flughafen ist die Hölle los. Logisch. Es ist Freitag, und diverse Charterflieger und Linienflüge mit stark ausgedünnten Frequenzen fliegen heute. Gut, das ich bereits online eingecheckt habe! Etwas nervös bin ich bezüglich Passbook. Ich weiß aus Berufsgründen wie es funktionieren "sollte", habe es aber selbst noch nie getestet. Gepäckabgabe klappt einwandfrei, ob ich meinen Koffer wiedersehe ist, wie üblich, eine andere Frage. Die Bordkartenkontrolle in Selbstbedienung läuft wie geschmiert, einfach iPod mit geöffneter Bordkarte in Passbook auf den Scanner halten, et voila!
Die Sicherheitskontrolle ist erwartungsgemäß voll, aber ich bin in 10 Minuten durch, wovon 9 Minuten Wartezeit sind. Es dauert sogar länger, den Gürtel wieder anzuziehen!
Die Airside in Dublin ist chaotisch, wie üblich. Boarding ist laut Passbook und Flughafen um 1050, also reicht die Zeit gerade noch für ein schnelles Frühstück und dann ab zum Gate. 
Die 300er-Gates in Dublin werden gerade umgebaut, das heißt, das drei Gates nicht verfügbar sind. auf den restlichen Gates konzentrieren sich nicht nur die üblichen Europaflüge, auch zwei Langstreckenflüge nach Kanada warten, Air Transat nach Montreal, und Aer Lingus nach Toronto. Moment mal! Aer Lingus? Haben die nicht vor zwei Jahren erst ihr hypermodernes Terminal 2 eröffnet? Was zum Geier machen die dann hier?
Aber keine Zeit zum ärgern. Das Boarding für meinen Flug beginnt. Die Gate-Agentin hält meinen iPod unter den Scanner, und wieder bin ich anstandslos durch. Passbook, ich nehme alle skeptische Äußerungen zurück, die ich jemals gesagt habe!
An Bord von LX401 dann die Ernüchterung. Die Maschine ist noch mit Slimline-Sitzen der alten Generation von Recaro ausgestattet. Nicht das sie unbequem wären, ich kenn die Dinger noch von meinem Flug mit Air Berlin, aber diese Sitze haben schon bessere Zeiten gesehen. Generell wirkt die Kabine, nun ja, nicht unbedingt verschlissen, sie zeigt aber in meinen Augen klare Abnutzungserscheinungen. Außerdem wabert der Essensgeruch vom Hinflug noch in der Kabinenluft. Dann doch lieber Lufthansa.
Die Gute Nachricht: Der Airbus A321-200 ist nur zur Hälfte besetzt, ich habe die komplette Reihe 31 für mich.
Es sieht voller aus, als es ist. Boarding in Dublin.
Bitte nicht rauchen! Hinter dem Tankwagen ein Avroliner von Cityjet, neben Aer Lingus und Ryanair die dritte große Airline aus Irland.
Der Flug selbst ist ruhig. Verpflegung recht ansehnlich. Es gibt ein Warmes Bruschetta mit Artischoken und Käse. Das ist schon etwas anderes als die kalten Snacks, die es bei Lufthansa auf der nur knapp kürzeren Strecke nach Frankfurt gibt. Und die Schweizer Schokolade als "Dessert" ist sowieso über jede Kritik erhaben! Nur mit den Getränken waren sie in meinen Augen etwas zu sparsam, aber was solls, es gibt wirklich schlimmeres.
Die Landung in Zürich ist sanft, der Übergang vom fliegen zum rollen fließend. Vom Bremsen kann man dies nicht behaupten. Vorbei an den Docks E und A/B docken wir an einer Fluggastbrücke an den D-Gates an. Das Umsteigen ist absolut problemlos, der Beamte der Kantonalpolizei Zürich an der Passkontrolle freundlich und hilfsbereit. Das ist schon was anderes als die Herrenmenschen-Mentalität, die von der Deutschen Bundespolizei gerne zur Schau gestellt wird.
Im Transitbereich des Flughafens Zürich dann die Ernüchterung. Nur zwei Restaurants, eines davon auch noch ein Burger King! Der Rest geht für überteuerte Nobelgeschäfte drauf. Das bin ich eigentlich vom Flughafen Frankfurt gewohnt, da hat man aber immer noch genug Verpflegungsmöglichkeiten. Naja, es gibt immerhin schlimmeres, das zweite Selbstbedienunsrestaurant arbeitet nämlich auf sehr hohem Niveau.


Stillleben mit Avroliner - Blick auf die C/D-Gates in Zürich
Die Ruhe vor dem Sturm - Zwei Airbus von Swiss warten an den A-Gates in Zürich auf die abendliche Umsteigewelle.
Airside-Bereich in Zürich. Die Architekten haben ganze Arbeit geleistet.
Man kann es auch übertreiben mit der Alpen-Glückseligkeit. Airbus A320 in den Farben von Edelweiss Air. Trotz des kitschigen Namens ist diese Airline seit Jahren erfolgreich auf Urlaubsstrecken unterwegs.
Verlust der Bodenhaftung... Moderne Vorfeldschlepper heben das Bugfahrwerk einer Maschine an, um sie zu bewegen. Was bei einem Dreamliner oder einer A380 nicht weiter auffällt, sieht bei kleineren Maschinen, wie diesem Avroliner, teilweise etwas "ungewohnt" aus.
Blick über die Sports Bar im Airside Center am Flughafen Zürich. Eine geniale Alternative zu den Lounges des Flughafens.
Der kommt auch nicht gerade aus der Nachbarschaft. Weiß jemand, ob diese Boeing 747-400 der Air China im Regulären Linienbetrieb nach Zürich kommt, oder ob es sich um einen Regierungsflug gehandelt hat?
Danach heißt es warten. Die Lounge kommt nicht in Frage, die Sportsbar sieht da schon ganz anders aus. Bequeme Sessel, Panoramablick über das Vorfeld, und ein köstlicher selbst gemachter Eistee! So lässt es sich warten. Danach geht es weiter zu meinem Gate. Dort angekommen, macht sich große Ernüchterung breit: Der Abend-Hub am Flughafen Zürich kommt in Fahrt, und der Gatebereich ist voll bis zur Dachkante. 
Das Boarding läuft wieder einwandfrei, Passbook, ich liebe dich! Die Maschine ist ausgebucht bis auf den letzten Platz. Beinfreiheit ist allerdings mehr als ausreichend. Maschine wirkt brandneu, Innenausstattung in sehr gutem Zustand, Sitze sind Recaro Slimline der neuesten Generation, wie auch bei Star-Alliance-Partner Lufthansa.


Bravo Quebec am Gate in Zürich.
Blick in die Nachbarschaft. Die Fragwürdige Gestreifte Lackierung gehört zu einem Airbus von Germanwings, der schon in einer absolut einfallslosen neuen Lackierung im Einsatz ist.
Gläserne Fluggastbrücken haben schon ihre Vorteile...
Blick durch die Austrian-Kabine
Der Start ist erheblich temperamentvoller als in Dublin. Klar. Gleiche Triebwerke und Thrust Settings wie beim größeren Bruder bei erheblich geringerer Abflugmasse.
Bordverpflegung besteht aus Soletti und Getränken, aber was will man bei einem Ein-Stunden-Hüpfer erwarten?
Die Landung in Wien ist robust, gebremst wird erst gar nicht, dann um so heftiger als unsere Maschine beinahe den richtigen Taxiway verpasst. Ooops! Das passiert also auch im Wirklichen Leben, und nicht nur mir im FSX!
Andocken am neuen Terminal "Skylink" in Wien. Außen Hui, innen pfui. Okay, das ist etwas zu hart formuliert. Trotzdem, der Gang von den Gates zum Ankunftsbereich hat den Charme eines Arbeitsamts! Der Ankunftsbereich selbst ist nicht viel besser, überlaufen, laut und wirkt billig. Naja, am Dienstag flieg ich ja wieder von Wien, da will ich mal schauen, ob der Abflugbereich genau so unangenehm ist.
Transfer vom Flughafen zum Hotel läuft per Shuttlebus. 8 Kröten, da kann man nix zu sagen. Das Hotel selbst kann sich ebenfalls sehen lassen.Gehobenes 3-Sterne, an der Grenze zum Vier-Sterne-Haus. WLAN ist gratis, macht aber Schwierigkeiten. Nach etwas niveaulosen Berieselungsfernsehen durch den ORF fallen bei mir die Vorhänge.


Motel One am Westbahnhof. Die Architektur mag fragwürdig sein, aber ich hab mich wohlgefühlt.
Die Zimmer sind nichts besonderes, aber die Betten sind genial. Ich kann den Laden auf jeden Fall weiterempfehlen.

Tag 2: Coming home... sort of.

0700. Der Wecker klingelt. [WÜSTE FLÜCHE!!!!]
Naja, immerhin besser als 0500 wie am Morgen zuvor. Duschen ist ein Vergnügen in dieser Dusche. Das Frühstück ist reichhaltig, leider ist der Frühstücksbereich absolut überlaufen, so das mir recht schnell der Appetit vergeht. Gestärkt geht es hoch ins Hotelzimmer. WLAN läuft mittlerweile einwandfrei. Kurz Emails checken. Kein Schwein schreibt mich an!
Danach gehts rüber in den Westbahnhof. Kurze Fotosafari. Naja, 50er-Architektur war noch nie mein Geschmack, abgesehen davon aber ganz ansehnlich. Ab in die ÖBB Lounge, schließlich fahr ich dank eines Spartickets 1. Klasse. Kleiner Verschlag, aber die Getränke sind kostenlos, und das WLAN ist gut. Nach wie vor will keiner mit mir was zu tun haben via Mail. Dann muss ich auch schon zum Zug.


50er-Jahre treffen auf das 21. Jahrhundert. Eigentlich hätte man hier konsequent auch die Bahnhofshalle neu bauen können.
Obwohl, in aller Fairness, von innen sieht die Halle doch erheblich besser aus.
Nur noch ein paar Tage, dann sitz ich auch in so etwas drin. ÖBB-Hochgeschwindigkeitszug vom Typ Railjet in Wien West.
Lieber HKX, so geht es auch. Doppelstock-triebzug Stadler KISS der privaten Eisenbahngesellschaft Westbahn in, wo wohl? - Wien West natürlich.
Blick vom Mezzanin über die Bahnhofshalle in Wien West.
ÖBB IC862 steht keine Hundert Meter von der Lounge entfernt. Noch schnell etwas zu trinken gekauft, dann geht es auch schon an Bord. Abfahrt ist pünktlich.
Die Westbahn ist in den letzten Jahren zu einer Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgebaut worden. Dementsprechend zügig (*badumm-tsh*) geht es voran. Erster Halt außerhalb Wiens ist der Bahnhof Tullnerfeld. Mein Urteil: Das Österreichische Gegenstück zu Limburg-Süd. Ein Bahnhof mitten im Nirgendwo, mit zweifelhafter Anbindung. Wenigstens kann man hier aber zu anderen Zügen umsteigen, anders als in Limburg.


Bahnsteigpanorama...
Wenn ich das erste mal seit 10 Jahren Kunde der ÖBB bin, dann kann ich mir auch eine Fahrt 1. Klasse gönnen. War übrigens genau so teuer, wie der Normalpreis 2. Klasse, ÖBB Sparschiene sei dank.
Detailansicht der Ledersessel in der 1. Klasse.
Ab Linz wird das Territorium wieder vertrauter. Bin oft genug hier entlang gefahren. Die Bahnhöfe sind jedoch teilweise Deutlich umgebaut worden.
Hinter Wels fängt die Bewölkung an, aufzulockern. Wenn jetzt noch die Wolkendecke ansteigt, dürfte die Fahrt durch's Salzkammergut beeindruckend werden.





Selbstportrait des IÖBB IC 862 bei der Einfahrt nach Linz Hbf.
Attnang Puchheim sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag. Nicht, das dies negativ wäre, selbst das ist noch besser als der vorherige Zustand. Der Bahnhof wird einem massiven Umbau unterzogen, was absolut überfällig war. Der End-70er-Stil war schon um das Jahr 2000 nicht mehr tragbar.


Autoverladung, oder nur kreative Nachnutzung einer Laderampe?
Hier wird kein Stein auf dem anderen gelassen. Umbauimpression aus Attnang-Puchheim
ÖBB IC in Gegenrichtung in Attnang-Puchheim.
Zugteilung in Attnang-Puchheim. Vier Kurswagen werden vom IC 862 abgekoppelt und fahren als Regionalzug weiter nach Stainach Irdning. Irgendwie komisch. Wo fahren denn heutzutage noch IC-Wagen einen derartigen Kurs?
Abfahrt in Attnang Puchheim. Die jetzt folgende Strecke kenn ich wirklich verdammt gut. Das Wetter ist nicht das beste, aber meiner Meinung nach gewinnt die Landschaft durch die Bewölkung sogar noch. Der Traunsee wirkt durch die Kombination aus tiefhängenden Wolken und dunklen Steilwänden richtig bedrohlich. Die Bahnhöfe wirken alle selten vertraut. Fünf Jahre lang regelmäßig die Strecke befahren, das hinterlässt halt Spuren. Je näher ich dem Bahnhof Bad Aussee komme, desto größer wird meine Aufregung. Die lässt sich nicht nu durch Vorfreude erklären. Immerhin bin ich seit über 10 Jahren das erste mal wieder auf dem Weg ins Ausseer Land. 


Landschaftsidyll mit Spiegelung...

Langsam kommen die Alpen näher.
Berge und Wasser, das Gesicht des Salzkammerguts. Okay, manchmal fühlt es sich auch an wie Berge aus Wasser, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Altmünster am Traunsee. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage das sich dieser Bahnhof seit 2002 nicht verändert hat.

Irgendwo da müssen wir durch...
Schnee Ende Mai, das ist hier doch ungeöhnlich...
Stereotypische Kleinstadtkulisse...


Blick auf Hallstatt. Ich kenne keine andere Ortschaft in Österreich, in der man auf eine Fähre angewiesen ist, um zum Bahnhof zu kommen.

Das Ende des Hallstätter Sees. Irgendwo in diesen Bergen schlängelt sich die Strecke weiter nach Bad Aussee
Ankunft in Bad Aussee. Der Bahnhof hat sich auf den ersten Blick kaum verändert, sieht man mal von dem neuen, modernen Inselbahnsteig ab, der zur Landesausstellung 2005 fertig gestellt wurde. Beim genaueren hinsehen muss man jedoch feststellen, das sich einiges zum schlechteren gewandelt hat. Der Güterschuppen wurde abgerissen, der Fahrkartenschalter und die Trafik wurden geschlossen und zugemauert, und auch das Bahnhofsrestaurant hat aufgegeben. auf dem Fahrplan ist in jeder Richtung mit viel Müh und Not ein Zwei-Stunden-Takt erkennbar.
Ich geb ja zu, das der Mensch Konstanten im Leben braucht, aber das Bundesschulzentrum in Bad Aussee hat sich seit 2002 in keinster Weise verändert. Und das, wo schon der Ausgangszustand nicht gerade angenehm war.
Der "neue" Mittelbahnsteig in Bad Aussee, der für die Landesausstellung 2005 gebaut wurde.  Wenn nur der Rest des Bahnhofs auch in so gutem Zustand wäre...
Diese Silhouette kenne ich sehr gut. Der Loser, der Ausser Hausberg.
Idyllisch gelegegen ist es ja schon...

Aufenthalt Bad Aussee

Mit dem Taxi geht es in JUFA-Gästehaus, eine ehemalige Jugendherberge, die 2009 massiv umgebaut wurde, und nun in meinen Augen Hotelstandard erreicht hat. Das Zimmer ist angenehm eingerichtet, das Bad groß genug, und alles im einwandfreien Zustand und modern. Ich werf erst mal nur mein Gepäck ab, und mach mich auf dem Weg zu meiner alten Wirkungsstätte. Nein, net das Kaffeehaus, das Bundesschulzentrum in Bad Aussee, das meine ehemalige Schule, das Erzherzog-Johann-Gymnasium beherrbergt. Der Fußweg führt erst über einen verschlungenen Waldpfad, und dann durch altbekannte Gefilde, die Ischler Straße, am alten Stammcafe, dem Strenberger, vorbei, am Kurhaus, und zurück Richtung Bahnhof. Alte Geschäfte haben aufgegeben, neue sind eingezogen. Es gab einiges an Neubauten im Zusammenhang mit der Landesausstellung, aber es ist doch immer noch viel von dem Bad Aussee, das ich von vor 10 Jahren kenn zu sehen. 
Deja vu am Bundesschulzentrum. Das einzige Gebäude in Bad Aussee, dem eine Veränderung gut tun würde hat sich am allerwenigsten verändert. Es strahlt nach wie vor den Charme der 1980er aus. Ich glaube, in die Außenanlagen wurde seit meinem Abgang 2002 kein einziger Cent mehr investiert. Macken an der Fassade, die ich noch aus meiner Schulzeit kenne, sind nach wie vor zu finden. 


Das wiedersehen mit meinen ehemaligen Mitschülern ist herzlich. Einer meiner ehemaligen Lehrer stößt ebenfalls dazu. Eine Führung durch das Innere zeigt, das sich auch hier, mit Ausnahme einer neuen Decke und neuer Beleuchtung, net viel getan hat. 
Nach diesem kolossalen Flashback geht es weiter zum ersten Programmpunkt. Armbrustschießen steht an. Distanz ist vier Meter, und es stellt sich schnell heraus, das von mir keinerlei Gefahr für die Zielscheibe ausgeht. Ich bevorzuge immer noch 'ne 9mm-Pistole, aber dafür ist der Schießstand nun mal nicht ausgelegt. Na ja, irgendwer, muss ja das untere Ende der Tabelle abdecken.
Das schöne an der ganzen Sache ist, das es sich nicht wirklich anfühlt, als ob ich die ganze Bande seit 10 Jahren nicht mehr gesehen habe. Es fühlt sich eher so an, als würde ich nach den Sommerferien zurückkommen würde. Zugegeben, vom äußerlichen haben wir uns alle verändert, die meisten im Gegensatz zu mir zu ihrem Vorteil, während ich nur mein Schwerefeld vergrößert habe, aber es sind immer noch die gleichen Personen.
Über diversen Bieren imm Schützenhaus, mal mit mehr mal mit weniger Haaren in der Schaumkrone, bringt man einander auf den neuesten Stand. Meine Lebensgeschichte nach dem Abgang, und meine Anreise aus Irland sorgen immer wieder für überraschte Reaktionen, und so darf ich das ganze immer mal wieder ezählen. 
Das zeigt sich auch beim anschließenden Abendessen. Ich werde über den Inhalt der Gespräche aus Diskretionsgründen hier nix schreiben, nur eine Sache hat mich wirklich schockiert. Das Jugendhaus Bad Aussee, ehemals Landesschülerheim 11, wird offenbar zum Herbst 2013 geschlossen. Das Land Steiermark hat den Geldhahn zugedreht.
Gegen 0300 neigt sich die Runde langsam dem Ende zu. Einige ziehen noch weiter in den "Hof", aber für mich ist erstmal Ende. Die Anreise aus Irland steckt mir wohl doch noch etwas in den Knochen. Ich verabschiede mich von der Truppe, werd mit diveren aber über alternative Wege wie Facebook versuchen Kontakt aufzunehmen bzw. zu halten.

Tag 3: The day after.

Der Morgen danach. "Leichte" Verkaterungserscheinungen machen sich bemerkbar. Naja, aber das war's wert. Das Frühstück hab ich verpennt, also werd ich das wohl durch das Mittagessen ausgleichen. Kamera geschultert, und ab auf den Weg in die Stadt. Es hat sich weniger verändert als ich auf den ersten Blick gedacht hätte. Leider haben die Läden in Österreich ja am Sonntag geschlossen, im Gegensatz zu Irland. Für 'ne Fototour ist das natürlich ideal, und so begebe ich mich auf Spurensuche.



Der Bad Ausseer Kurpark. Wenn doch nur das Wetter besser gewesen wäre.




Die Mercedes-Brücke am Zusammenfluss von Altausseer und Grundlseer Traun.





Mein Plan ist, nach dem Mittagessen und einigen weiteren Fotorunden in meinem alten Stammcafe einzukehren, dem Strenberger. Der Plan ist schneller Makulatur als ich denken kann, da die am Sonntag geschlossen haben. Bitte? Welches Kaffeehaus in Österreich hat bitte am SONNTAG geschlossen? Der Untergang des Abendlandes ist wirklich nicht mehr aufzuhalten.
Also ab zum Alternate, dem Lewandowsky. Nein, nicht der Fussballspieler, das Cafe!
Ganz offen, ich würde momentan für nichts in der Welt Irland verlassen, aber es geht nix über ein ordentliches österreichisches Kaffeehaus! Wenn sowas in Cork aufmachen würde wäre ich Stammgast. Und Costa Coffee könnte vermutlich zusperren. 
Nach dem Cafebesuch fängt das Wetter an, umzuschlagen. Regen zieht auf. Ich versuche, noch ein Foto vom Heim, zu organisieren, was sich dank des nach wie vor massiven Baumbestands als fast unmöglich erweist. Dann treibt micht der stärker werdende Regen zurück ins Hotel.
Ein letztes Mal treibt es mich raus, zum Abendessen in meiner alten Stammpizzeria gegenüber des Heims. Das Management mag gewechselt haben, aber der Laden ist immer noch der gleiche. Das Essen ist nix besonderes, aber es war ja auch hauptsächlich eine Nostalgieerfahrung. Im strömenden Regen treibt es mich zurück ins Hotel.

Tag 4: Beginn der Heimreise

Der Tag der Abfahrt. Es schüttet wie Sau. Ich weiß ja, das Bad Aussee die Niederschlagshauptstadt Österreichs ist, aber warum mußt du mir das ganze ausgerechnet heute unter Beweis stellen, Aussee? WARUUUMMMM????
Das Frühstück im JUFA ist gut und reichhaltig, nur zwei Mankos: Die Eier sind mir etwas ZU weich (sprich: sie sind flüssig), und ES GIBT KEINEN KAFFEE!!!! Aber Dafür gibt es die Hotelbar, die um so besser ist. Um 0945 bin ich draußen aus dem Zimmer und sitze in der Bar mit einem Cappucino. Ausgecheckt, Taxi zum Bahnhof ist bestellt. Es schüttet Nach wie vor wie aus Kübeln.
Am Bahnhof angekommen. Der Bahnhof ist wie ausgestorben. Außer mir ist kein Schwein da. Bei dem ausgedünnten Takt eigentlich auch kein Wunder. Ich verbring die Zeit damit, meine Reisenotizen auf den Neuesten Stand zu bringen, denn ich bin viel zu früh da. Auch ein paar Fotos für den Reisebericht werden geschossen.


Stillleben mit Bahnsteig. Am Bahnhof Bad Aussee bewegt sich kaum noch etwas.
Ausfahrsignale in Richtung Obertraun und weiter nach Attnang Puchheim
Nebenbahn-"Romantik" im Bahnhofsgebäude. Ich kenn noch die Zeiten, als die Fahrkartenschalter und  die Trafik noch in Betrieb waren.
Diese Fensterfront markiert die Stelle der Trafik.
Das Große Bahnhofsgebäude erinnert an bessere Zeiten.
Wenigstens der Bahnsteig ist in gutem Zustand.
Dort, wo heute diverse Autos geparkt sind, stand bis vor einigen Jahren noch der Güterschuppen. Mein Gott, hör ich mich alt an...
Moderne Zugzielanzeiger. Schade, das es nur noch so wenig Züge gibt, die von hier abfahren.
Blick auf den Hausbahnsteig.
Blick entlang des Hausbahnsteiges in Richtung Stainach-Irdning. Auch wenn das Zufahrtsgleis zur Alten Saline seit längerem abgerissen ist, etwas Güterverkehr gibt es offenbar immer noch.
Handfeste Überraschung bei der Einfahrt des Zuges. Es ist kein Talent-Triebzug, sondern eine ganz konventionelle City-Shuttle-Garnitur, gezogen von einer 1044er-Lok. Flashback hoch 10. Wie hab ich damals Purzelbäume geschlagen, wenn ich mal das Glück hatte, so einen Zug zu erwischen. Endlich mal was modernes, anstelle von 1980er-Barock.
Ich steig in Bad Aussee in den Regionalexpress nach Stainach-Irdning ein.Wenn mir das vor 'nem halben Jahr jemand gesagt hätte, ich hätte ihm geraten, mal ein paar Pints weniger zu trinken. Aber so ist es nun mal. Das ausgerechnet jetzt mein iPod mir de facto nur Songs abspielt, die ich damals schon auf meinem Discman (kennt noch irgendwer die Dinger?) gehört habe, ist die gefühlte Zeitreise perfekt. Auf der Ausfahrt aus Bad Aussee frag ich beim Wettergott an, ob sich net die Wolkendecke etwas heben kann, so das ich einen besseren Blick auf Grimming et al. bekommen kann. Als Antwort wird der Regen schwerer. Danke auch!
Trotzdem ist die Fahrt wie gesagt eine Reise in die Vergangenheit. Naja, net ganz. Die 45 Minuten Anschluß in Stainach gibt es nicht mehr. Knapp 7 Minuten reichen aus. Nicht genug für einen nostalgischen Rundgang, nicht mal mehr für ein paar Fotos, denn der Regionalexpress an Gleis 2 wird net wegrangiert, sondern blockiert weiterhin den Blick auf das Bahnhofsgebäude. 


Blick auf das Bahnhofsgebäude Stainach-Irdning. Am Bahnsteig steht die CityShuttle-Garnitur, die mich von Bad Aussee hierher gebracht hat.
Blick entlang der Hauptstrecke nach Westen. Im Hintergrund der Grimming.
Am anderen Bahnsteig steht ein Gleisbauzug mit unbekanntem Ziel.
Der IC nach Leoben ist klein, gleiches gilt für den 1.-Klasse-Bereich des Zugs. Trotzdem finde ich noch einen freien Platz in einem der Abteile. Er wird übrigens von einer 1144er gezogen. Ich dachte die wären im IC-Einsatz samt und sonders von den Taurus (Tauri, Taurusse, Taurüssel? Wie lautet die Mehrzahl im Umgangssprachlichen da) ersetzt worden. 
Der Zug macht Kopf in Selzthal. Wie konnte ich Rindvieh das vergessen? Jetzt fahr ich bis Leoben Rückwärts. Hurra! Schrecksekunde bei Kalwang, kurz hinter dem Schoberpass. Der Zug legt eine Zwangsbremsung hin, und rührt sich erstmal nicht mehr von der Stelle. Ich wäre net so nervös, wenn ich net wüsste, das der Anschluss in Leoben verdammt eng ist. Nach einigen Minuten rollen wir wieder an. Im Bahnhof St. Michael überkommt mich ein verdammt wehmütiges Gefühl, und ich muss mich fast schon zwingen, nicht in den Zug nach Judenburg umzusteigen.
In Leoben steht der Railjet schon am gleichen Bahnsteig wie mein IC. Raus aus dem einen, rein in den anderen und weiter geht's. Leider konnte ich dadurch keine Bilder vom umgebauten Hauptbahnhof Leoben schießen, der mit dem dunklen Loch von früher nix mehr zu tun hat.


Überblick über den sehr bequemen Erste-Klasse-Bereich im Railjet.


Unsere Zuglok auf der Semmering-Strecke.

Letzte Blicke auf das Hochgebirge.
Der Railjet wiederum ist ein ganz anderes Kapitel. Im Gegensatz zu anderen Hochgeschwindigkeitszügen bilden hier Waggons und Antrieb keine Einheit. Der Antriebwird von einer ganz normalen Taurus-Lok gestellt, an die fest gekuppelte Waggons angeschlossen werden. Man kann also relativ schnell ein defektes Triebfahrzeug ersetzen.
Das Innere ist in meinen Augen saubequem, und hochmodern. Kostenloses WLAN ist auch nicht zu verachten. Ich such mir einen Platz, und warte erst mal den Halt in Bruck an der Mur ab, bevor ich mir was zum Mittagessen organisiere. Ich will ja meinen Sitzplatz nicht riskieren.
Zwischendurch check ich mit meinem iPod Touch schon mal für den Flug nach Dublin morgen ein. Die Bordkarte wird gleich in Passbook importiert. So muss das laufen!
Dann steht erstmal Mittagessen auf dem Programm. Die Qualität ist gut, das Essen ist heiß, was bei der DB nicht immer gesagt ist, und die Preise halten sich im Rahmen. Unter 10€ für Hauptspeise und 0,5l Softdrink, da kann man wirklich nix zu sagen. Bei der DB hätte ich das doppelte bezahlt. 
Dann zurück zum Sitzplatz und genießen. Die Fahrt über den Semmering ist schon was beeindruckendes. Die Strecke ist auch heute noch ein Meisterstück. Allerdings kann der Zug im Scheitelabschnitt gerade mal 50 km/h fahren, insofern kann ich diejenigen verstehen, die für einen Eisenbahn-Basistunnel unter dem Semmering plädieren. Das ein Stück Reisekultur verloren geht, sollte dieser Tunnel Realität werden, steht aber außer Frage.
Während sich der Zug die Westrampe des Semmerings herunterwindet, werden wir zusehends schneller. Spätestens ab Wiener Neustadt geht es gefühlt wieder richtig schnell voran. Naja, 160 Km/h immerhin. Mehr als dreimal so schnell wie im Scheitelabschnitt der Semmeringstrecke. Schneller als mir lieb ist sind wir in Wien Meidling. Umsteigen in die U-Bahn und rüber zum Westbahnhof. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen werd ich am Bahnhof schlafen. Die Reise führt wieder zum Motel One.
Dort angekommen trifft mich erst mal er Schlag. Überall Schlipstiere! Anscheinend ist in den nächsten Tagen irgendeine große Konferenz, und jede Menge Manager und andere Nagetiere sind deshalb in die Stadt eingefallen. Der "Herr", der neben mir die Rezeptionistin terrorisiert, lässt die typische Arroganz dieser selbsternannten Elite heraushängen. Wo ist ein Rattenfänger, wenn man einen braucht? Naja, Ich schulter schnell die Kamera, und mach mich auf in die Stadt. Zeit, wieder unter ehrliche leute zu kommen.
Wien ist viel zu groß, um es in den paar Stunden, die mir bleiben, ganz zu erkunden. Es bleibt mir also nur, ein paar Impressionen zu sammeln. Genau das mache ich. Außerdem organisier ich mir eine Reihe von zivlisierten Lebensmitteln, die es so in Irland definitiv nicht gibt. Meine Füße sagen mir schließlich, das es Zeit ist zurückzukehren ins Hotel.


Merke, nicht alles in der Wiener Innenstadt ist alt...
Das Meiste allerdings schon, wie diese Ansicht des Stephansdoms beweist.
Blick durch die Innenstadt.
Die Wiener Oper
Stern in Gedenken an den Dirigenten Herbert von Karajan. Politisch gesehen ein durchaus fragwürdiger Charakter, aber vom Musikalischen her einfach umwerfend.
Sieht aus wie eine Straßenbahn, verhält sich über lange Strecken auch so, ist aber eine Überlandbahn. Die Wiener Lokalbahn, auch als Badener Bahn bekannt, betreibt neben der Bahnstrecke zwischen der Wiener Innenstadt und Baden bei Wien auch diverse Güterloks, die teilweise bis nach Hamburg fahren.
Das Haus des Wiener Musikvereins, Heimat der Wiener Philharmoniker
Die Vorderfront des neuen Museumsquartiers, einer weiteren kulturellen Attraktion in einer Stadt, die sowieso schon vor Kultur nur so strotzt.


Alltägliches Treiben auf der Mariahilfer Straße
Einmal wage ich mich noch raus, um etwas zu essen. Die Toasts im Hotel sind nicht so wirklich das wahre. Also schnell ins Internet, und ein passendes Restaurant suchen. Ich finde eines, dessen Bewertungen in Google recht gut aussehen. Naja, Nahrungsmittelvergiftung hab ich mir keine geholt, aber ich kenne definitiv einen Ort, wo es bessere Berner Würstl gibt. In der Hotelbar trink ich mir meinen Frust von der Seele. Allzu viel kann es nicht gewesen sein, da ich keinen Alkohol bestelle. Um 2200 bin ich im Zimmer und in der Horizontalen. Morgen muss ich wieder früh raus.

Tag 5: Rückflug mit Hindernissen.

Wieder weckt mich der Wecker um 0700. Das Ding hat offenbar akute Todessehnsucht! Ich reiß mich zusammen, mach mich frisch, und überfall das Frühstücksbuffet. Diesmal lass ich mich auch nicht von der noch größer gewordenen Herde an Schlipstieren und Pinguinen bremsen. Noch einmal schnell hoch ins Zimmer, und die Restlichen Sachen packen. Möglichst so, das sie auf dem Röntgenbild möglichst unschuldig ausschauen. Es wäre nicht das erste mal, das die Kombination aus Handynetzteil und Schokolade bei der Durchleuchtung wie eine Bombe aussieht.
Pünktlich geht es mit dem Bus zum Flughafen. Die Fahrt durch Wien zeigt allerorten Bürogebäude aller Couleur, die hochgezogen werden. Der Südbahnhof ist komplett verschwunden, und einer kristallinen Monstrosität namens Wien Hauptbahnhof gewichen. Die Freien Flächen werden wiederum mit neuen Bürokomplexen überzogen. Das ganze erinnert mich stark an die Bauaktivitäten in Dublin, Cork, oder Limerick während der Jahre des Celtic Tiger. Wir alle wissen wozu das geführt hat. Ich weiß, Wien ist eine Millionenstadt, trotzdem schießen mir zwei Fragen durch den Kopf: 1.) Wie soll man in einem Land mit knapp 8 Millionen Menschen das alles füllen? und 2.) Hat man aus der Entwicklung in Irland nichts gelernt?
Die Ankunft am Flughafen reißt mich aus meinen Gedanken. Meine Maschine geht vom neuen Terminal Skylink, dem Stolz des Wiener Flughafens. Ich war ja bei der Ankunft schon nicht allzu begeistert von diesem Gebilde. Jetzt, beim Abflug verstärkt sich das ganze. Das Terminal ist ansich schon ziemlich schmal, jedoch wird die Nutzbare Fläche noch einmal geschmälert durch einen langezogenen, Vier Stockwerke hohen "Lichthof", der eher an die Innereien einer Orwellschen oder Kafkaschen Behörde erinnert. Die Wegweiser sind direkt auf die Wände gepinselt, die Farbkombination schwarz-weiß wirkt billig.
Der Check-In-Bereich wirkt verwinkelt. Immerhin die Gepäckabgabe funktioniert einwandfrei. Nicht vergessen, ich hab ja schon gestern im Zug eingecheckt. Die Sicherheitskontrolle klappt wie am Schnürchen, das Personal ist sehr freundlich. Airside angekommen, setzt sich meine Enttäuschungsserie fort. Der Duty-Free-Bereich wirkt einfallslos, das einzige Restaurant ist ein billig wirkendes, aber überteuertes Selbstbedienungsrestaurant. Wie einfallslos? Nun, der Flughafen von Dublin spielt passagiermäßig in der gleichen Liga wie Wien, und selbst der Zusammengeschusterte 70er-Jahre-Bau namens Terminal 1 mit all seinen Anbauten wirkt homogener, angenehmer, und internationaler, als die Einrichtungen im "Skylink."

Niedrige Decken, gleißende Deckenbeleuchtung - Wo zum Teufel haben die Architekten studiert?
Naja, wenigstens diese Sitzecken sind durchdacht.
In einer Dunstwolke aus vergossenem Wein und liegen gebliebenem Fisch setze ich mich erst mal. Der Letzte Blick auf die Anzeige Tafel hat mir einen Schock versetzt. Anstatt planmäßig umm 1140 aus diesem Planungsfehler zu entkommen, wird für meinen Flug nach Frankfurt nun eine Abflugzeit von 1300 angezeigt. Normalerweise wäre das kein Problem, wäre da nicht der Anschlussflug von Frankfurt nach Dublin. Lufthansa-Personal ist weit und breit keines zu finden. Ich erkunde also erst mal das Terminal. Viel machen kann ich ja eh nicht. Viel zu erkunden gibt es übrigens auch nicht. Der Abflugbereich des Skylink ist ein einziger langgezogener Pier von der Architektonischen Kreativität einer 50er-Jahre-Mietskaserne. Nicht ganz. Die hätte vermutlich eine ansprechendere Farbgestaltung.

Die Ledermonstrositäten die man hier in der linken Bildmitte sieht, sind auch recht bequem, und perfekt, um mal die Füße hochzulegen.
Gegen so etwas hätte ich auch nix einzuwenden...
...aber in der Not tut es auch eine Lufthansa-Maschine

Was es im Terminal jedoch mit großer Regelmäßigkeit gibt, sind interessante Sitzgelegenheiten. Eine Spielart davon bietet sogar Steckdosen für Ladegeräte. Genau so eine nehme ich in Beschlag. Auf meinem Tablet kann ich, dank kostenlosem WLAN (zumindest das klappt) und Strom meine Wartezeit recht angenehm verbringen. Dank eines Flight Trackers kann ich sogar meine jetzt bis 1320 verspätete Maschine bei ihrem Anflug verfolgen. Sogar ein paar Fotos gelingen mir. 
Dann ist es auch bald Zeit für's Boarding. Die Maschine ist auf einer Vorfeldposition geparkt, also gibt es eine kleine Bustour. Nicht, das es viel zu sehen geben würde, das Vorfeld wirkt wie ausgestorben. Bizarrerweise reicht ein Bus aus, um alle Passagiere zum Flugzeug, einem Airbus A321-200 zu bringen. Viel Platz ist also garantiert!





Boarding Completed wird nur wenige Minuten, nachdem ich mich gesetzt habe durchgegeben. Das Sicherheitsbriefing geht ziemlich schnell. Danach geschieht erst mal nix. Ich vermute, das dies an irgendwelchen Checklisten liegt, die im Cockpit noch zu machen sind, nachdem das Boarding und die Beladung ja ziemlich schnell erledigt waren. Dann werden plötzlich die Triebwerke gestartet. Wir rollen zur Runway, und nach 5 Minuten Wartezeit starten wir.
Der Flug ist schnell vorbei, wobei er mir garnicht schnell genug gehen kann. Da ist ja schließlich dieser Anschluss in Frankfurt, den ich erreichen will. Trotzdem versuche ich, ihn zu genießen. Bordverpflegung ist kalt, aber gut. Immerhin ist es ja nur ein einstündiger Hüpfer bis Frankfurt, nicht zuletzt, weil der Pilot gefühlt die Nachbrenner gezündet hat. An die Geschwindigkeit des Fluges von Dublin nach Frankfurt im Februar dieses Jahres kommen wir zwar nicht ran, aber teilweise liegt unsere Groundspeed deutlich jenseits der 1000-km/h-Marke.
Landung in Frankfurt auf Runway 25L, das rollen zum Gate streckt sich gefühlt endlos, ebenso das aussteigen. Im Terminal angekommen beginnt das große Rennen. Schaffe ich es rechtzeitig vom Pier A rüber zum Non-Schengen-Bereich in Pier B? Trotz einiger Schnarchnasen auf den Laufbändern geht es sich aus. Gott sei Dank gibt es noch den Transfergang unter dem Vorfeld zwischen Pier A und B. Die Passkontrolle läuft ohne Schwierigkeiten, nur die Bordkarte in Passbook verwirrt den Deutschen Grenzer etwas. Tja, für die Deutschen Behörden ist das Internet mit seinen Möglichkeiten halt noch #Neuland.
Am Gate angekommen macht sich Erleichterung breit. Ich habe noch 45 Minuten, bis das Boarding beginnt. Schnell noch 'ne Kleinigkeit gegessen, den Duty-Free-Shop durchstöbert, und dann geht es schon in die Maschine.
Meine Erfahrungen mit LH980 bestätigen sich wieder einmal. Die Maschine ist ausgebucht bis auf den letzten Sitzplatz. Immerhin ist das Flugzeug brandneu, der Airbus A320 ist der erste der Lufthansa-Flotte, der mit den neuen "Sharklets," hochgezogenen Tragflächenspitzen, die den Treibstoffverbauch senken ausgestattet, einer der ersten Bestandteile des neuen Airbus A320neo.



Start und Flug vergehen zügig, allerdings nicht zügig genug für mich. Nach Zwei Tagen auf Achse sehne ich mich nach meiner Wohnung, und nach Irland. So komisch es klingt, Ich habe mehr Heimweh nach Irland, als ich es jemals nach Deutschland hatte. Beim Landeanflug gibt es eine Premiere. Zum ersten mal lande ich bei Ostwind, das heißt, wir fliegen über Howth hinweg bis weit in das Hinterland von County Meath. Ich frage mich schon, ob der Pilot entschieden hat, in Shannon zu landen, als sich die Tragflächen neigen, und die Maschine auf den Glideslope für Runway 10 eindreht.
Die Landung ist in Anbetracht der Turbulenzen recht sanft. Der Weg von der Runway zu Gate ist kurz, und auch den danach folgenden Weg durch die Passkontrolle und Gepäckausgabe läuft wie am Schnürchen. Innerhalb von 10 Minuten bin ich auf der Landside, und hab das Busticket nach Cork gekauft.
Die Busfahrt ist wie üblich ziemlich langwierig. Außerdem zeigt sich, das Aircoach dabei ist, ein Opfer seines eigenen Erfolges zu werden. Die Szenen an der Bushaltestelle in der Innenstadt von Dublin erinnern an die Bilder der letzten Hubschrauber, die Saigon verlassen haben. Der Bus wird geradezu gestürmt. Soviel zur Hoffnung, das zumindest mein Nachbarsitz frei bleibt. Naja, immerhin gibt es eine Zwischenstop.
Nach Drei Stunden Fahrt komme ich endlich wieder in Cork an. Einen letzten Schreck gibt es, als ich kurz nachdem ich ausgestiegen bin merke, das mein Handy nicht dort ist, wo es hingehört. Nach Zehn Minuten panischer Suche finde ich es in der Tasche aus dem Duty-Free-Shop in Frankfurt. Das kommt davon, wenn man die Sachen nicht wieder dahin zurückpackt, wo sie herkommen. Zuhause angekommen reicht es gerade noch, meinen Router wieder hochzufahren, und kurz in Speyer bescheid zu sagen, bevor ich ins Bett falle.

Mittlerweile sind schon wieder einige Wochen vergangen. Der Alltag in Irland hat mich wieder. Und doch komm ich nicht umhin, wieder an den kurzen Besuch in Bad Aussee zurückzudenken, nicht zuletzt in Anbetracht der Katastrophe, die kurz nach meiner Abreise über große Teile Österreichs hereinbrach. Ich kann nur hoffen, das alle ehemaligen Mitschüler von mir, seien es die aus dem Erzherzog-Johann-Gymnasium, oder die aus dem Landesschülerheim, die Ereignisse Anfang Juni gut überstanden haben.
Etwas anderes ist mir im Zuge dieser Reise ebenfalls klar geworden. Bad Aussee und Cork haben beide etwas gemeinsam. Es sind beides Orte an denen ich mich zuhause fühle, bzw, gefühlt habe. Aber so schön meine Jahre in Bad Aussee auch teilweise waren, so bin ich doch froh, das jetzt Irland mit Fug und Recht als mein Zuhause bezeichnen kann.

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