Nichts Negatives ohne Positive Seiten - Unfreiwilliges Update auf Ubuntu 10.10

Eigentlich war alles ganz einfach geplant. Nach einem ruhigen Sonntag Vormittag wollte ich am Nachmittag das Linux-Betriebssystem auf meinem Netbook von Version 9.04 "Jaunty Jackalope" auf Version 9.10 "Karmic Koala" updaten. Aber wie so oft galt auch hier: Der Mensch denkt, die Update Software lenkt, in diesem Fall halt in die falsche Richtung!
Nachdem ca. die Hälfte des Update-Vorgangs gelaufen war merkte ich das etwas nicht stimmte. Die Installation lieferte alle 5-10 Minuten Fehlermeldungen ab. Noch während ich mich darüber wunderte meldete der Update-Assistent das ein Update nicht möglich sei und jetzt eine Systemwiederherstellung veranlasst werden würde. Meine Stimmung sank augenblicklich auf einen neuen Tiefpunkt. Als ich schon dachte schlimmer geht's nicht mehr begann auch die Systemaktualisierung schiefzulaufen. Schließlich brach auch die mit einer Fehlermeldung komplett ab. Ein Neustart ging daneben, mein Netbook ließ sich nicht mehr hochfahren!
Schöne Bescherung!!!
Die Äußerungen die darauf folgten kann ich auf diesem Blog aus Gründen des Jugendschutzes leider nicht wiedergeben. 
Nun begann die hektische Sucherei. Ich hatte zu Beginn des Mid-Life-Upgrade meines Netbooks neben Ubuntu 8.0 auch für Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat eine Installations-CD gebrannt. Siehe da, ein beherzter Griff, und ich hatte sie in der Hand. Also holte ich das externe DVD-Laufwerk, schloss es an und atmete noch einmal tief durch. Nach meinen Erfahrungen bei der letzten Neuinstallation von Linux befürchtete ich das schlimmste!
Bereits nach dem Einlegen der CD gab es die erste Überraschung. Anstatt eines Installationsmenüs das in seiner Grafikpracht einem DOS-Spiel aus der Mitte der 1990er Jahre entspricht bootet der Rechner gleich eine voll nutzbare OS-Version von der CD, auch wenn dieses erstmal etwas dauert. 



Der Erste Eindruck von Ubuntu 10.10 - Nicht schlecht

Ich entschloss mich dazu, Das Neue System gleich zu installieren. Leider musste ich die komplette "alte" Linux-Partition dafür opfern. Aber die war ja sowieso nicht mehr zu retten. Die Installation selbst dauerte, nach einigen grundlegenden Einstellungen wie Benutzernamen und Zeitzone, gerade mal eine Stunde. Da war die vorhergehende Mehrstündige Würgerei bei Intrepid Ibex (8.10) oder Jaunty Jackalope (9.04) um einiges schlimmer. Nach einem weiteren Neustart wurde ich dann zum ersten mal von einer Voll einsatzbereiten Ubuntu-10.10-Netbook-Installation begrüßt.


Weniger ist mehr - der neue Splashscreen von Ubuntu

Was einem gleich auffällt ist die längere Bootzeit. Vom Einschalten bis zum Login-Bildschirm habe ich 44.4 Sekunden gemessen, deutlich länger als beim Vorgänger. Dafür entfällt aber auch die nochmals ca. 15 Sekunden lange Ladezeit nach dem Einloggen. Sofort nach der Passworteingabe ist das System einsatzbereit. 




Isch hab doch gesagt du kommst hier net rein!!! - Der Login Screen nutzt nun den Standard-Hintergrund.

Wenn man erst mal drin ist sieht man gleich das sich einiges getan hat. Die neue Benutzeroberfläche "Unity" ist doch ein deutlicher Unterschied zum vorherigen System. Das Hauptmerkmal ist das Application Dock auf der linken Seite. Hier sind die Wichtigsten Programme aufgereiht. Dieses Dock lässt sich nicht minimieren, was in der Community durchaus für Verstimmungen sorgte. Ich selbst finde das es nicht wirklich stört.


What's up, dock?? Das Application Dock ist in meinen Augen durchaus praktisch und gut gelungen.

Über das kleine Ubuntu-Logo oberhalb des Docks kommt man auf den Programmstarter, der eine Übersicht über alle Kategorien an Anwendungen auf dem Netbook liefert. Hierüber hat man Zugriff auf jedes Programm das installiert ist. 


Deutlicher kann man kaum sortieren - Der Programmstarter.

Über die Icons für die Verschiedenen Anwendungsgruppen kommt man zu der entsprechenden Kategorie im Menü Applications. Dieses Menü ist auch über das Dock zu erreichen.  Neben einer Auflistung sämtlicher Anwendungen wird in einem separaten Teil des Bildschirms auch eine Auflistung der am meisten benutzten Anwendungen angezeigt.


Welches Programm hätten's denn gerne? - Das Applications-Menü

Eine Ähnliche Ansicht gibt es auch für Dateien, Bilder, Dokumente usw. Auch hier ist die Sortierung zweigeteilt, einmal alphabetisch und einmal nach der Anzahl der Zugriffe. Oben hat man auch noch einmal Zugriff auf bestimmte Kategorien.



Ein sehr interessantes Feature der Netbook Edition sind die Workspaces, welche über ein Icon auf dem Application Dock erreicht werden können. 4 Workspaces, also leere Desktop-Seiten stehen zur Verfügung. Der Sinn dieses Features erschließt sich mir allerdings nicht wirklich, zumal der geringe Arbeitsspeicher meines Aspire One das System teilweise deutlich ausbremst. Bei Usern mit Netbooks der neueren Generation kann ich mir durchaus vorstellen das so etwas sehr hilfreich ist.


Doppelt sehen kann jeder, bei Ubuntu sieht man alles vierfach! *hicks*

Die Taskleiste am oberen Bildschirmrand weist ebenfalls einige Besonderheiten auf. Erstens mutiert das Ding zur Menüleiste wenn eine Anwendung offen ist, und zweitens sind hier auch die Statusicons gruppiert, Netzwerk, Akku (GANZ wichtig bei einem Netbook), Lautstärke etc. Hierbei haben sich die Jungs & Mädels von Canonical die eine oder andere kleine aber praktische Gemeinheit einfallen lassen.


Alles eine Frage der Richtigen Verbindungen - Das Netzwerkmenü in der Taskleiste

Von Links nach rechts gesehen ist das Netzwerkmenü das zweite in der Taskleiste. Von hier aus hat man Zugriff auf die Wichtigsten Informationen zu Kabelgebundenen und drahtlosen Netzwerken. Auch das Login in ein WLAN läuft über dieses Menü. Stichwort WLAN. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern auf meinem Netbook funktionierte dieses bei der Netbook Edition "out of the box," also sofort.


Die Wichtigste Information für jeden Netbook-User - Der Ladestand des Akkus


Für alle die was zu sagen haben - oder die glauben sie hätten es. Das Kommunikationsmenü

Mit dem Kommunikationsmenü ist auch für Darstellungsneurotiker gesorgt. Über diesen Punkt hat man sowohl Zugriff auf den Chat Client Empathy als auch auf Evolution Mail, den Email-Client der mitgeliefert ist. Dieser ist identisch mit dem der bereits bei Ubuntu 9.04 integriert war und leistet gute Arbeit. Zu Empathy kann ich nichts sagen, meine Selbstdarstellungsneurose lebe ich auf Facebook und auf diesem Blog aus.


Let's get loud - Das Lautstärkemenü hält die eine oder andere Überraschung bereit.

Besonders trickreich ist das eigentlich recht langweilige Lautstärkemenü. Neben dem üblichen Lautstärkeregler ist hier auch ein Link zum integrierten Musikplayer Rhythmbox untergebracht. Besonders praktisch: Die Möglichkeit, den Musikplayer von dort aus zu steuern. Zum Musikplayer selbst kann ich noch nichts sagen, den hab ich noch nicht getestet.


Und App gehts! - Das Software Download Center bietet "fast" alles was das Herz begehrt!

In einem Artikel der Englischen Tageszeitung "The Guardian" wurde Ubuntu mit dem iPhone verglichen was die Softwareauswahl und Installation angeht. Wenn man diesen Vergleich weiterspinnt, dann ist das Software Center der App Store von Ubuntu, oder auch der Android Market. Ich will hier ja niemanden diskriminieren.
Die Installation von zusätzlicher Software ist in der Tat dem Vorgehen unter iOS oder Android nicht unähnlich. Die entsprechende Software wird im Download Center ausgewählt und automatisch in den entsprechenden Verzeichnissen installiert und in den Menüs/Programmkategorien hinterlegt. Auch externe Quellen, wie z. Dateien von Skype oder Google werden akzeptiert. Die Installation übernimmt auch in diesem Fall das Software Download Center. Wer will kann auch das Terminal benutzen, aber das ist bei 10.10 Netbook Edition kaum noch nötig.
Stichwort Software. Ubuntu 10.10 Netbook Edition wird mit einer beeindruckenden Softwarepalette ausgeliefert. Von Office-Anwendungen über ein volles Sortiment an Medienplayern bis hin zu Chat Clients, Email Client und einem BitTorrent-Client ist alles dabei. Ich will hier nur auf einige eingehen.



Für Tabellen-Trickser und Formelsadisten - Open Office bietet für alle was.

Eigentlich braucht man über Open Office gar nicht mehr viel zu schreiben oder zu sagen. Die kostenlose Office Suite hat sich mittlerweile zu einem echten Problem für die Jungs aus Redmond entwickelt. Erst recht seit mit Sun Microsystems, und mittlerweile mit Oracle ein Finanzstarkes Unternehmen dem Projekt den Rücken stärkt. Microsoft hat zwar mittlerweile eine kostenlose Alternative zu seiner eigenen Office Suite auf den Weg gebracht, jedoch mit eingeschränkter Funktionalität. Open Office bietet den Vollen Funktionsumfang, und dieser ist auch hier mit an Bord. Falls doch mal Komponenten fehlen sollten können diese schnell und kostenlos nachinstalliert werden.


Ein Mensch der Musik nicht zu schätzen weiß verpasst das beste am Leben

Rhythmbox ist der mitgelieferte Musikplayer. Er umfasst alles was man von einem so einem Programm erwartet: Playlistverwaltung, Zufallswiedergabe, sowie Verlinkungen zu Onlineshops, last.fm und anderen derartigen Diensten. In der Netbook Edition von Ubuntu 10.10 lässt sich dieser Player, wie schon erwähnt, auch über das Lautstärkemenü in der Taskleiste steuern.



Da fängt jeder Fuchs Feuer - Firefox ist der Standardbrowser

Der Standardbrowser bei Maverick Meerkat ist Firefox in der Version 3.6.1. Mittlerweile ist Firefox auch für Nicht-Insider durchaus ein bekannter Name. Der Browser hat mittlerweile dem Internet Explorer den Rang abgelaufen, und auch wenn es mittlerweile mit Chrome eine schnellere und sicherere Alternative gibt, auch unter Ubuntu, so ist doch Firefox 3.6 eine sehr gute Wahl.


Biste im Bild? - Shotwell Picture Manager
Über den Bildbetrachter Shotwell gibt es nicht viel zu sagen. Er macht seine Aufgabe routiniert, bietet grundlegende Möglichkeiten um Bilder zu verbessern und auch eine Slideshow-Funktion. Alles in allem nicht schlecht, aber auch nichts berauschendes.


Selbstportrait mit Zwischendecke - Endlich funktioniert die Webcam wieder.

Diese letzte Software die ich hier vorstelle ist eigentlich etwas ungewöhnlich. Jedoch war die Webcam meines Aspire One seit einer Reparatur aus Garantiegründen nicht mehr funktionstüchtig, weder unter Linpus noch unter Ubuntu 9.04. Erst nach der Neuinstallation von Ubuntu 10.10 läuft sie wieder. Somit dürften auch Skype und co. nichts mehr im Weg stehen.

Alles in allem ist Ubuntu 10.10 Netbook Edition meiner Meinung nach das am meisten durchdachte Linux. Praktisch alle grundlegenden Funktionen sind gleichwertig mit Windows, und in einigen Punkten diesem sogar überlegen. So ist bereits von haus aus eine Office Suite mit dabei. Allerdings gibt es für Gamer wie mich nach wie vor keine Alternative zu Windows. Für ein Netbook ist das System aber sehr gut geeignet.


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