Sie waren stets bemüht - Cork Naval Festival 2013


Wie einigen vielleicht bei der Lektüre meines Blogs aufgefallen ist, habe ich ein Faible für alles, was mit Seefahrt, und insbesondere mit Marineangelegenheiten zu tun hat. Und ganz ehrlich, auch wenn Cork von den großen Marinebasen wie Norfolk, Portsmouth oder Toulon ungefähr so weit entfernt ist, wie die Irische Nationalmannschaft von der Fußball-Weltmeisterschaft, so konnte ich hier in Cork schon einige sehr interessante Besucher beobachten. Neben einem Russischen Zerstörer ist mir vor allem das Niederländische U-Boot HNLMS Dolfijn im Gedächtnis geblieben, das Cork Anfang Oktober einen Besuch abgestattet hat.
HNLMS Dolfijn im Hafen von Cork
Als ich also vor ein paar Monaten auf Facebook die Meldung sah, das es im Herbst in Cork ein Internationales Marinefestival geben würde, war meine Neugier natürlich geweckt. Nun, wie es so oft ist, nach der ursprünglichen Meldung, und der dazugehörigen Aufregung, verschwand die ganze Geschichte von der Bildfläche wie ein abtauchendes U-Boot. Bis dann ein paar Wochen vorher die ersten Meldungen auftauchten, die das Programm des Marinefestivals darlegten.
Die Internationale Komponente dieses Festivals würde sich nach diesem Programmentwurf in Grenzen halten. Belgien, Frankreich, Russland, und Großbritannien würden sich beteiligen, und natürlich die Irische Marine. Das Festival würde sich in zwei Phasen abspielen, einem Fleet Review, also einer Flottenparade im Lower Harbour, also vor Cobh, gefolgt von einem zweitägigen Tag der Offenen Tür auf den teilnehmenden Schiffen im Innenstadthafen von Cork. 
Warum nun das ganze? Nun, Failte Ireland, die irische Tourismusagentur hatte 2013 zum Year of the Gathering, einem Jahr der Zusammenkunft erklärt. Dieses Gathering sollte Leute dazu bewegen, Freunde und Familien aus dem Ausland nach Irland einzuladen, und auf diese Art den Tourismus weiter anzukurbeln. Das Jahr 2013 war dabei nicht nur aus Zufall gewählt worden, stellt es doch  das 100 jährige Jubiläum des "Dublin Lockout" dar, jenes großen Streiks in Dublin, der eine Kette von Ereignissen in Gang setzte, die 10 Jahre darauf mit der Unabhängigkeit Irlands endete. Praktisch alles großen Städte Irlands haben ihre eigenen Veranstaltungen abgehalten, um noch mehr Aufmerksamkeit, und damit auch mehr Einkommen zu generieren. So hatte Dublin z.B. Anfang September das Flight Fest abgehalten, eine Luftparade, und die Größte Flugshow, die Irland seit langem gesehen hatte. Natürlich wurde auch der Dublin Lockout entsprechend gefeiert. In Cork hatte man sich, ganz dem Ruf der Stadt folgend, entschlossen, eine ganze Woche lang verschiedene Events unter der Bezeichnung Cork Rebel Week zu veranstalten. Neben Tagen der Offenen Tür  oder einem Spezialitätenmarkt auf dem Sitz des Cork County Council, war hier vor allem das Andenken an Michael Collins, einen der Helden des Irischen Unabhängigkeitskampfes ein Schlüsselereignis der Rebel Week. Den Höhepunkt und Abschluss dieser Woche sollte eben das Cork Naval Festival bieten.
Das Programm hierfür stand wenige Wochen vorher fest. Alles sollte am Freitag mit einer Flottenparade in der Bucht von Cork beginnen, an der insgesamt 11 Kriegsschiffe teilnehmen sollten. Danach sollten die Schiffe geschlossen nach Cork selbst weiterfahren, um, wie weiter oben erwähnt, für die Öffentlichkeit zugänglich zu sein. Gleichzeitig würde ein Volksfest am Kennedy Quay sowie am Customs House Quay stattfinden, wobei an letzterem auch ein Konzert stattfinden sollte. Als Headliner sollte Seo Lin auftreten, unterstützt von anderen Irischen Bands. Auch die Namen der Schiffe wurden langsam bekannt. Die Belgische Marine würde zwei Schiffe vorbeischicken, den Minenräumer BNS Primula, ein Schiff der Tripartite-Klasse, sowie das Hilfsschiff BNS Stern. Die Französische Marine Nationale würde mit zwei Schulschiffen der Leopard-Klasse vertreten sein, während die Russische Marine eines ihrer neuesten Schiffe, die Tarnkappen-Korvette Soobrazhitelny vorbei schicken würde. Die Royal Navy sollte durch eine Type-23-Fregatte vertreten sein. Ursprünglich war HMS Monmouth eingeplant, die jedoch in letzter Minute durch HMS Northumberland ersetzt wurde. Die Irische Marine wollte vier Schiffe stellen, unter anderem auch das Flaggschiff LE Eithne. Für einen Marinefan wie mich hörte sich dies natürlich super an. Nun ja, es ist nicht unbedingt alles Gold, was glänzt.
Da sah noch alles gut aus. LE Aisling, LE Eithne, und HMS Northumberland (von rechts nach links) von der Albert Street Bridge aus gesehen.
Als ich am Samstag an den City Quays eintraf, um mich da mit ein paar Freunden zu treffen, sah es eigentlich nicht schlecht aus. Es war einiges los, Die Irischen Schiffe LE Aisling, mir schon von einem früheren Hafenbesuch in Cork bekannt,  und LE Eithne lagen am Customs House Quay, während dahinter HMS Northumberland zu sehen war, die sämtliche anderen Schiffe im Hafen klein aussehen liess. Ich war etwas verwundert darüber, das sie so deutlich abseits von den anderen Schiffen lag, hab mir aber erstmal nichts dabei gedacht. Mein Plan war, mir einen Überblick über die Lage im Hafen zu verschaffen, und mir zu überlegen, welche Schiffe ich mir anschauen wolle.
So nah und doch so fern - LE Eithne vom Customs House Quay aus gesehen.
Ein weiteres Bild der Eithne von der Brückennock der BNS Stern aus gesehen.

LE Eithne war einer der ganz großen Kandidaten für mich. Nachdem ich ein paar Bekannte getroffen hatte, gab es jedoch gleich die erste Negative Überraschung. Die Spitze des Customs House Quay war abgesperrt in Vorbereitung für das Konzert, und die Gangway der Eithne befand sich deutlich dahinter. Soviel dazu. Die Schlange an der LE Aisling war fast genau so lang wie das Schiff selbst. Die Südseite war mit Imbissbuden vollgestellt. Auf der anderen Seite des Südarms des River Lee lagen die beiden französischen Schulschiffe, die, wie ich später mit einem Ohr mitbekommen habe, auch als Fischerei-Patrouillenboote eingesetzt werden.
Die beiden Französischen Schulschiffe der Leopard-Klasse. Im Vordergrund der Anleger der Cork City Marina.
Die Schlangen dort waren eben so lang, wie an der Gangway der Aisling, was auch für die beiden Belgischen Schiffe galt. Also war das Ziel erst mal der Britische Besucher, die HMS Northumberland. Als Type-23-Fregatte, auch als Duke-Klasse bekannt, war sie von der Größe her, als auch von ihrer Kampfstärke her ganz klar der Star des Tages. Mit einem 11,5-Zentimeter-Geschütz, einem Seawolf-Senkrechtstartsystem mit 32 Startzellen, 8 Anti-Schiffs-Raketen vom Typ Harpoon, einem Sea-Lynx-Helikopter und einer hochmodernen Sensor-Suite war die Northumberland in hochinteressantes Schiff für einen Besuch an Bord.
Leider wurde auch daraus nicht. Durch ihren abgelegenen Liegeplatz an den South Deepwater Quays war auch sie nicht zugänglich. Ein Sperrgitter auf Höhe des ersten Getreidesilos am Kennedy Quay war die Endstation. Okay, Plan A war also Geschichte, und auch Plan B hatte sich soeben in Luft aufgelöst. Was nun, sprach Zeus? Die Schlange an der Gangway des Belgischen Hilfsschiffs BNS Stern war am kleinsten. Die Primula war weniger interessant, da ich mit ihrem Schwesterschiff Bellis schon ein Minenräumboot der Tripartite-Klasse kennen gelernt hatte. Außerdem war über die Stern praktisch nichts im Internet zu finden, weshalb sie um so interessanter war. 
Auf diesem Bild ist das Belgische Kontingent, das Minenräumboot BNS Primula (M924), und achteraus von ihr die BNS Stern.
Blick auf die Aufbauten der BNS Stern, Finger des Autors eingeschlossen.
Die Wartezeit vor der Gangway ging relativ schnell vorbei. Der Besuch an Bord war auf jeden Fall interessant. Die Stern ist als Hilfsschiff klassifiziert, was heisst, das sie keine klassische Kampfeinheit ist, sondern für Unterstützungsaufgaben eingesetzt wird. Da jedoch die Belgische Marine relativ klein ist, und nur über zwei Grosse Einheiten, gebrauchte Niederländische Fregatten, verfügt, werden auch Schiffe wie die BNS Stern für Patrouillenaufgaben wie z.B. Fischerei-Überwachungseinsätze herangezogen. Dies, obwohl die Stern von ihrer Rumpfform und ihren Aufbauten nach eher den Eindruck eines Hochseeschleppers macht.
Blick von der Brückennock der Stern auf die Innenstadt von Cork und den Boardwalk.
Ich gebe zu, das ich mich auf der Brücke der Stern nicht getraut zu fotografieren.  Dieses Bild von außen muss reichen.
Auf dem Achterdeck der Bellas ist dieses RHIB (Rigid Hull Inflatable Boat) untergebracht, das z.B. für Fischereiinspektionen verwendet wird.
Der Eindruck, den ich bereits bei meinem Besuch auf der BNS Bellis hatte, wurde auch an Bord der Stern bestätigt. Trotz ihrer geringen Größe und der relativ kurzen Belgischen Küstenlinie ist die belgische Marine eine professionelle Streitmacht, deren Mitglieder stolz auf ihren Dienst und ihre Schiffe sind. Diesen Stolz hat man auch in der Offenheit und Freundlichkeit der Besatzungsmitglieder an Bord der BNS Stern gemerkt.
Der Plan, im Anschluss an den Besuch auf der Stern noch entweder an Bord der Primula oder auf einem der Französischen Schulschiffe vorbeizuschauen, war in Anbetracht der Schlangen schnell wieder Makulatur. Stattdessen endete der Tag im Sextant, einem Pub direkt am Hafen von Cork.
Aus meinem Blickwinkel fällt das Fazit dieses Tages eher verhalten aus. Die angekündigten Besucher waren mit Sicherheit interessant, vor allem HMS Northumberland, und die Russische Korvette. Leider haben sich die Organisatoren nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Die Idee, einen derartigen Flottenbesuch mit einem Kulturprogramm zu verbinden, ist an sich nicht schlecht, vor allem vor der Kulisse des Alten Zolllagerhauses am Customs House Quay. Aus meiner Sicht war es jedoch ein Kapitaler Fehler, die LE Eithne am Samstag, dem Tag, wo man mit den meisten Besuchern rechnen sollte, nur VIPs zur Verfügung zu stellen. Die Entscheidung, HMS Northumberland an die South Deepwater Quays zu verbannen, war ein ebenso kapitaler Fehler. Mir ist durchaus klar, das auch in einem Jahrzehnt, in dem der Beginn des Irischen Unabhängigkeitskampfes zum 100. Mal jährt, die Beziehungen zwischen Irland und Großbritannien immer noch durch diesen Kampf, und durch die Troubles in Nordirland belastet werden. Allerdings sollte das Bordkontingent Royal Marines, das auf jeder Type-23-Fregatte eingeschifft ist, in Zusammenarbeit mit der Garda auf jeden Fall ausreichen, um eine ausreichende Sicherheitspräsenz darzustellen. So wurde ja z.B. auch HMCS St. John's gesichert. Die "Auslagerung" der Korvette Soobrazhitelny nach Cobh war ebenfalls ein Fehler, da so die Chance auf ein homogenes Angebot an den City Docks vergeben wurde. Ich will allerdings nicht ausschliessen, das dieser letzte Punkt auf die Paranoia der Russischen Flottenführung  zurückzuführen sein könnte. 
Im Allgemeinen ist Cork, wie ich eingangs bereits erwähnt habe, ein interessanter Ort für einen Marinefan wie mich. von Minenräumverbänden, über Kreuzfahrtschiffe und Segelschiffe bis hin zu U-Booten und Fregatten kann man hier mit fast allem rechnen. Das Cork Naval Festival hat allerdings etwas offengelegt, was auch im Stadtbild von Cork nach wie vor offensichtlich ist. Die Stadt hat noch keinen Weg gefunden, wie sie in ihrer neuen Rolle als High-Tech-Stadt und Bildungszentrum mit ihrem Hafen und ihrem Maritimen Erbe umgehen soll.

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