Der Türsteher von Cork - Camden Fort Meagher: Teil 2 - Lokaltermin

Anmerkung: Dieser Artikel ist der 2. und letzte Teil einer Serie über Camden Fort Meagher, und beschäftigt sich mit meinen Impressionen bei einem Besuch dort  Ende April 2016. Den 1. Teil, der die Geschichte des Forts beleuchtet, findet ihr hier.

Ich war vor knapp zwei Wochen auf Fort Camden zu Besuch, Hintergrund waren die dortigen Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum des Easter Rising. Ja, ich weiß, es gab schon eine ganze Reihe von Veranstaltungen, und ich habe auch schon einen Artikel zu dem Thema, am Wochenende des 24. April war jedoch das kalendarische Jubiläum, der Ostersonntag ist ja von den christlichen Kirchen so schlecht erzogen worden, dass er einfach nicht still hält. Das gute ist, dass die Buslinie 220X vom Stadtzentrum direkt bis vor das Haupttor des Forts fährt, zumindest alle 2 Stunden. Am Sonntag wird das Fort von der Linie 220 angefahren.
Der 1. Eindruck: Massiv, und nicht gerade einladend.
Durch diese hohle Gasse muss er kommen, der geneigte Besucher.
Diese Schießscharten machen schon klar, welche "Begrüßung" auf unangemeldete Besucher wartete. Das Bild wurde von der Brücke zum Haupttor aufgenommen. 
Wer hat gesagt, Burggräben seien mit Ende des Mittelalters aus der Mode gekommen. Dieser Graben zieht sich, teilweise mit Feuerstellungen gespickt, um das ganze Fort. Außerdem ist dies der Beweis, das man kein ebenes Gelände für einen Graben braucht.
Der Zugang zum Fort erfolgt über ebendieses Haupttor, nicht das es viel Auswahl geben würde, das Haupttor ist auch der einzige Zugang. Im alten Wachhaus ist die Kasse untergebracht, der Eintritt pro Person beträgt 5€ für Erwachsene, 4€ für Kinder unter 14, und Kinder unter 4 Jahren kommen kostenlos rein. Eines gleich vorweg, die Anlage ist nur sehr eingeschränkt behindertengerecht, gerade der Zugang zu den unteren Geschützpositionen, sowie zum Magazin ist faktisch nur über Treppen möglich. Direkt hinter der Kasse im Wachhaus ist eine Ausstellung über das Fort untergebracht, die ich allerdings übersprungen habe. Direkt hinter dem Wachhaus macht die Hauptzufahrt einen 90-Grad-Knick, vorbei am Kasernengebäude und nach oben zu den oberen Geschützpositionen, den Offiziers-, und Unteroffiziersmessen und zum Paradeplatz. Geradeaus geht es einen steilen Weg hinunter zu den unteren Feuerstellungen.
Blast from the past. Mit Ausnahme des Hinweisschildes hätte dieses Bild auch während der aktiven Zeit des Forts entstehen können. Land Rovers waren ja lang genug ein Arbeitspferd der Irish Defence Forces.
WACHEEEEN!!!! - Yep, genau, das ist die alte Wachstube. Früher musste man hier seine Zugangsscheine vorlegen, heute sind es Geldscheine. Allzu viel hat sich also nicht geaändert.
Wählt weise!
Mein Weg führte mich nach oben in Richtung des Paradeplatzes. Mir ist aufgefallen, das viele Bereiche des Forts durch Bauzäune abgesperrt sind. Dies hängt damit zusammen, das viele Gebäude teilweise eingestürzt sind, nach Jahrzehnten mangelnder Wartung eigentlich kein Wunder. Man darf auch nicht vergessen, dass es allein die Freiwilligen von Rescue Camden sind, die das Fort am laufen halten, und restaurieren. Das es da natürlich etwas länger dauert, um eine derartige Anlage, von der noch dazu 65% unterirdisch sind, auf Vordermann zu bringen, sollte verständlich sein. Trotzdem ist das, was die Freiwilligentruppe von Rescue Camden in 6 Jahren schon erreicht hat, beeindruckend. Das sieht man nicht zuletzt auf dem Weg zum Paradeplatz. Das Gebäude der Royal Engineers, die Unteroffiziersmesse, natürlich das Wachhaus, aber auch einige Unterirdische Anlagen sind mustergültig restauriert worden. Der Zugang war an diesem Wochenende allerdings auch aus anderen Gründen eingeschränkt, es stand ein großer Festakt auf dem Paradeplatz an, so dass einige Bereiche da oben nicht zugänglich waren.

Noch ein Überbleibsel aus der aktiven Zeit des Forts: Ein Bofors 40mm/L60 Flugabwehrgeschütz. Diese bildeten lange Jahre das Rückgrat der Luftverteidigung in Irland, und wenn man sich die aktuellen "Kampfflugzeuge" des Air Corps anschaut, kann man schon fast sagen, das der Luftraum über Fort Camden der am besten geschützte in ganz Irland ist.

Gedenkstätte für gefallene Soldaten auf dem Gelände des Fort.
Die Irische Trikolore weht nach wie vor über Fort Camden.
Mein Plan sah vor, mir die Anlage möglichst genau anzuschauen. Das markante klicken eines Gewehrs, das durchgeladen wird hat mich dann aber doch etwas eingebremst. Nachdem ich mich vergewissert hatte, das keine Mündung auf mich gerichtet war, drehte ich mich um, um die Ursache dieses Geräusches zu finden. Siehe da, drei Gestalten in britischen Uniformen aus der Zeit des 1. Weltkrieges standen etwas weiter den Hügel hinauf, und einer von ihnen hatte gerade sein Gewehr, ein Lee-Enfield Mk.III überprüft und geladen. Zu diesem Zeitpunkt fielen mir auch die anderen uniformierten Gestalten auf, die Schwarzen Uniformen der Royal Irish Constabulary genau so wie die grünen Uniformen der Irish Volunteers, und die Zivil gekleideten irregulären Truppen der Irish Citizen Army und der Irish Republican Brotherhood. Offenbar war ein Re-Enactment, also eine Nachstellung, der Ereignisse von 1916 auf dem Programm.
Okay, ich weiß ja, das Irland sparen muss, aber diese Ausstattung für die Streitkräfte geht eindeutig zu weit!
Aber ernsthaft, diese Freiwilligen, die Mitglieder der Irish Citizen Army, der republikanischen Frauenorganisation Cumann na mBan, und der Britischen Streitkräfte darstellen, stellen regelmäßig Ereignisse aus der Vergangenheit des Forts nach. 
Noch reden sie, aber bald wird der Pulverdampf aufsteigen.
Und ich lag richtig, es wurde ein Überfall auf eine Station der Royal Irish Constabulary, der Polizei zu der Zeit, durch die Irish Citizen Army nachgestellt, und zwar recht detailliert, die Lee-Enfields, ebenso wie eine Reihe von Colt M1911-Pistolen Kaliber .45 waren nämlich alle mit entsprechend dimensionierten Platzpatronen geladen, wobei die 45-er Colts die Lee-Enfield-Gewehre in dem darauffolgenden nachgestellten Feuergefecht noch übertönt haben. Jetzt weiß ich, woher die Biester den Spitznamen Westentaschenhaubitze haben. Diese Geräuschkulisse war für einige der anwesenden kleineren Kinder definitiv zu viel, auch wenn ich ganz offen gesagt damit gerechnet hätte, das vor allem die Lee-Enfields lauter sind.
Panoramablick auf die Bucht von Cork.
Die alte Unteroffiziersmesse, die heute die Tea Rooms beherbergt.
Blick auf Roches Point, das offizielle Ende der Bucht von Cork.
Überblick über die Einfahrt. Von hier aus hätte man im April 1912 die RMS Titanic gesehen, deren letzter Anlaufhafen das damalige Queenstown, also das heutige Cobh, war.

Nicht alles am Fort stammt aus dem 19. Jahrhundert. Ich vermute, diese MG-Stellung ist deutlich neuerem Ursprungs.
Wie bereits erwähnt läuft die Restaurierung des Forts nach wie vor, und Teile sind immer noch abgesperrt.
Nachdem der Pulverdampf verflogen war, und ich die zugänglichen Bereiche des Paradeplatzes erkundet hatte, ging es vorbei an der Unteroffiziersmesse in Richtung des sogenannten “Light Tunnel”, eines mit Schießscharten versehenen, teils unterirdischen und mit Beton verstärkten Zugangs zu den unteren Geschützstellungen. In der alten Unteroffiziersmesse (Sergeants Mess) sind übrigens die Tea Rooms untergebracht, womit auch für das leibliche Wohl gesorgt wäre. Die Aussichtsterrasse mit ihrem Glasgeländer sorgt wiederum dafür, das auch für die Sehleute was dabei ist.
Aber zurück zum Bright Tunnel. Dieser führt 196 Stufen nach unten. Es mag komisch klingen, einen derartigen befestigten Tunnel anzulegen, allerdings sind die Schießscharten und Feuerpositionen so angelegt, das Soldaten von dort die unteren Geschützstellungen unter Feuer nehmen konnten. Unten angekommen geht es momentan nur auf der linken Seite weiter zu den oberirdischen Stellungen. Der Tunnel, der nach innen in den Berg führt, ist durch ein Gitter abgesperrt, da dieser Bereich noch nicht restauriert worden. Laut alten Plänen soll dieser Tunnel zum Maschinenraum führen, der das Fort mit Strom versorgte, außerdem soll ein Seitenteile zur alten Rams Head Battery führen, deren Umrisse auf Google Maps, oder anderen Diensten in der Satellitenansicht noch schwach zu erkennen sind.
Ab in die Katakomben.
Außer der Beleuchtung hat sich hier in 150 Jahren kaum etwas geändert.
Tunnelblick...
Treppe zu den unteren Batterien. An der linken Seite sieht man die alten Schießscharten.
196 Stufen geht es bergab, hier vom unteren Ende aus gesehen.

Ich folgte also weiter dem einzigen verfügbaren Weg zur linken unteren Feuerstellung. Diese verfügte über insgesamt 6 12-Pfünder-Schnellfeuergeschütze vom Kaliber 76mm, die Feuerstellungen, die heute sichtbar sind, waren jedoch ursprünglich für Vorderladerkanonen vom Kaliber 17,7cm gebaut worden, die schnell veraltet waren. Auch wenn diese Feuerstellung zugänglich ist, wirklich viel restauriert wurde hier noch nicht. Die Unterstände für die Geschützbesatzungen und Wachposten, Magazine für die Bereitschaftsmunition, all dies wirkt verfallen, und verstärkt noch den klaustrophobischen Eindruck, den man von der unteren Batterie bekommt. Ebenso verfallen wirkt der Anleger des Forts, der Zugang zu diesem wird durch ein Stahltor erschlossen, das jedoch über einen Spalt verfügt, durch das genau ein 38mm-Objektiv passt. 
Die untere linke Batterie ist momentan die einzige zugaängliche. Die andere Batterie ist noch überwuchert, und es dürfte noch Jahre dauern, bis diese zugänglich ist.
Auch bei dieser Batterie wurde nur das nötigste gemacht, um die Zugänge abzusichern. Mehr ist erst mal nicht dringen.
Dies ist der ältere der beiden Anleger am Fort. Eigentlich sollte man diesen gar nicht zu Gesicht bekommen, passenderweise hat das Eisentor aber einen Spalt, der gerade breit genug ist, um ein 38mm-Objektiv hindurch zu bekommen.
Am anderen Ende der Batterie führte der Weg, wieder einmal, durch einen Tunnel, dieser war jedoch etwas kürzer. Dahinter ging es erst einmal um zwei Ecken. Mir fielen sofort eine ganze Reihe weiterer Schießscharten auf, der “Tunnel” war nämlich das ursprüngliche Haupttor für das Fort gewesen, bis die Einrichtungen oben auf dem Berg fertig waren. Jenseits dieses Tores ging es dann bergauf, weitere Gebäude auf der unteren Ebene, wie z.B. Lager und Werkstätten für die Boote, die vom Fort aus eingesetzt wurden, oder Minen, sind ebensowenig zugänglich, wie die Feuerstellung für den Brennan-Torpedo, den ich ja schon früher erwähnt hatte. Schade eigentlich, aber wiederum auch verständlich, die Restaurierung wird ja wie gesagt von Freiwilligen durchgeführt. 
Blick auf den alten Hauptzugang des Forts, hier links zu sehen. Die Schießscharten waren wiederum dazu gedacht, unangemeldeten Gästen unmissverständlich klarzumachen, dass sie hier nicht willkommen sind.

Später wurde das Fort erweitert, und weitere Werkstätten, Bereitschaftsräume, Lager, etc. gebaut.
Blick hinüber zu Fort Davis, das nach wie vor aktiv ist.

Die Zugangsstraße zu den unteren Batterien ist nicht nur sausteil, wie hier zu sehen ist, sie kann auch vom "Bright Tunnel" aus komplett mit Feuer eingedeckt werden.
Panoramaaufnahme von einer der Kehren.
Ei, wer kommt denn da?
Der 2. Anleger. Dieser sieht so aus, als ob er kurz vor, oder nach dem Ende der Britischen Besatzungszeit gebaut worden wäre.
Eine weitere Aufnahme von Fort Davis. Ich weiß bis heute nicht, was in dem Fort gemacht wird.
Man kann über die neue Schornsteinverkleidung geteilter Meinung sein.
Die Fähre Pont-Aven durchfährt gerade die Ausfahrt der Bucht von Cork. Jeden Samstag im Sommer verbindet sie Cork mit dem französischen Fährhafen Roscoff.
Adieu, Pont-Aven.
Auf dem Weg nach oben, der übrigens auf voller Strecke von den Feuerstellungen im Bright Tunnel überblickt wird, wurde es dann noch einmal offensichtlich, warum man an genau dieser Stelle ein Fort errichtet hatte. Die Pont-Aven, eine moderne Fähre von Brittany Ferries, die die letzte noch verbliebene Fährverbindung von Cork nach Roscoff bedient, hatte offenbar mit Verspätung in Ringaskiddy abgelegt, und passierte gerade Haulbowline Island. Zugegeben, mit ihren 186 Metern und 41000 Tonnen deutlich größer als die Panzerschiffe und Pre-Dreadnoughts, die das Fort abhalten sollte, trotzdem stelle ich es mir als nicht allzu erstrebenswert vor, wie eine Zielscheibe zwischen drei Forts durchzufahren. Wieder oben am Haupttor angekommen war es auch schon höchste Zeit, das Fort zu verlassen, immerhin wird dieses normalerweise um 17 Uhr geschlossen, und es war schon deutlich später.
Wieder im "zivilen" Leben angekommen. Crosshaven ist ein wirklich süßer kleiner Ort, und allemal einen Besuch wert.
Allzu groß ist der Ortskern nicht...
...aber doch recht angenehm gestaltet.

Panoramaaufnahme des "Zentrums" von Crosshaven.
Blick auf einen der diversen Yachthäfen in Crosshaven. Ich glaube, auf jeden Einwohner kommen hier 3-4 Boote.

Das Fort sollte in meinen Augen auf jeden Fall auf der Liste jedes Cork-Besuchers stehen, die Aussicht auf die Bucht von Cork ist fantastisch, und die Anlage selbst einfach nur faszinierend. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass die 3 Forts in der Bucht von Cork, Fort Camden, Fort Carlisle, und Fort Westmoreland, als Ensemble in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen werden, ein derartig erhaltenes System aus Artillerieforts gibt es sonst nur noch sehr selten. Gleichzeitig muss man aber auch festhalten, dass die Freiwilligen von Rescue Camden, die sich um die Restaurierung und den Betrieb des Forts kümmern, vor einer absoluten Mammutaufgabe stehen. Ich würde mir hier wünschen, dass sie mehr Unterstützung vom Cork County Council, von den Irish Defence Forces, oder auch von der irischen Denkmalschutzbehörde An Taisce bekommen. Letztere scheint aber eher darauf bedacht zu sein, klapprige, vermoderte Stadthäuser in Cork zu schützen.

Website: www.camdenfortmeagher.ie 

Öffnungszeiten:

Mai:         

Sonntag,                       12:00 - 17:00 
4. Juni - 11. September:

Samstag und Sonntag, 12:00 - 17:00

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