Wordpress oder Blogger? Erfahrungen von der "anderen" Seite

Wordpress oder blogger.com? Das war die große Frage für mich, als ich 2009 mit diesem Blog angefangen habe. Ich war zu der damaligen Zeit absolut von den Vorteilen des Google-Dienstes überzeugt, nicht zuletzt, da ich damals auch absoluter Google-, und Android-Fan war. Versteht mich bitte nicht falsch, blogger.com ist nach wie vor ein sehr guter Dienst, und gerade für Einsteiger sehr gut geeignet. Allerdings gab es in den letzten paar Jahren kaum vernünftige Upgrades, die Integration mit sozialen Netzwerken ist, nun ja, sagen wir mal ausbaufähig, und die Kommunikation der Blogger-Betreiber auf ihrem eigenen Blog ist noch unzuverlässiger als meine Posts in den letzten Monaten. Trotzdem habe ich lange Zeit nicht an einen Wechsel gedacht.
Doch dann kam mein neuer Job. Na ja, weniger der Job an sich, als die Tatsache dass eines meiner großen Hobbies, die Meteorologie, an meinem neuen Arbeitsplatz auf ziemlich großes Interesse stieß. Das Interesse war so groß, dass ich seit einigen Monaten regelmäßig jeden Montag, Mittwoch, und Freitag selbst erstellte Wettervorhersagen auf dem Schwarzen Brett im Büro aufhänge. Von da aus war es kein großer Sprung mehr zu einer neuen Blog-Idee: Diese Vorhersagen, zusammen mit Hintergrundinformationen, etwaigen Unwetterwarnungen und anderen wetterbezogenen Artikeln auf einem nur für diese Themen gedachten Blog veröffentlichen. Blame the Weather war geboren. Und diesmal hab ich mich entschlossen, Wordpress als Plattform zu nutzen. Ich hab die Entscheidung bis heute nicht bereut, andererseits ist mein Blog auch erst seit etwas über einem Monat aktiv.
Damit fängt fast alles an. Die Themenauswahl bei Wordpress. Nein, das in der unteren rechten Ecke ist nicht Teil von Wordpress, das ist Teil meiner Arbeit-Playlist.
Ja ja, laber laber, bla bla bla, wie schlägt sich Wordpress denn jetzt? Nun, salopp gesagt, Google sollte sich warm anziehen, Wordpress hat ein verdammt gutes Gesamtpaket am Start. Es gibt aber auch einige grundlegende Unterschiede. Fangen wir doch mal am Anfang an. Bevor man bei Wordpress loslegen kann, muss man sich entscheiden, ob man das kostenlose Paket, oder eines der kostenpflichtigen Hosting-Pakete nutzen will. Ein Upgrade ist dabei auch später noch möglich. Für “normale” Blogger wie mich (Hey, ihr da in Speyer, was gibt’s da zu lachen???) reicht das kostenlose Paket vollkommen aus, auch wenn mir die Beschränkung auf 3 GB Speicherplatz etwas Sorgen macht. Nach den normalen Schritten, also Auswahl der Adresse und des Namens für das neue Blog, steht die nächste große Wahl an. Welches Theme darf’s denn sein? Die Auswahl ist hier beinahe unerschöpflich, auch wenn nicht alle Themes kostenfrei sind. Selbst wenn man die kostenpflichtigen Themes aber aussortiert hat man immer noch eine beträchtliche Auswahl zur Verfügung.
So sieht die Themenauswahl im eigentlichen Backend von Wordpress aus. Aufpassen, einige dieser Themes sind kostenpflichtig!
Und so sieht das eigentliche Backend aus. Keine Sorge, einige der Funktionen schauen wir uns später noch mal etwas genauer an.

Wenn man da durch ist, kommt man zum Herz des ganzen Blogs, dem Backend. Hier zeigt Wordpress seinen größten Vorteil. Das Layout ist zugegeben etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man von Blogger zu Wordpress wechselt, man gewöhnt sich aber schnell dran. Alle wichtigen Features sind da, vom sehr guten Editor bis hin zu den Möglichkeiten, das momentan im Einsatz befindliche Thema schnell und einfach zu bearbeiten. Der Clou dabei: der Customizer bietet einem Live-Previews für normale Computer, Tablets, und Smartphone, so dass man gleich ganz leicht sehen kann, wie sich Änderungen auf allen möglichen Arten von Plattformen auswirken. Ich bin noch nicht ganz bei der Logik für Menüs, etc. im Customizer durchgestiegen, aber das wird vermutlich auch noch kommen.
Der Post-Editor enthält alle Funktionen, die man braucht, egal ob in der WYSIWYG-Version, oder in der HTML-Version. Praktisch: Wenn man mehrere Bilder einfügen will, erstellt Wordpress automatisch eine Galerie.
Der Customizer zeigt Veränderungen gleich am "lebenden Objekt". Praktisch dabei ist, dass man nicht nur eine Desktop-Ansicht zu sehen bekommt,
...sondern auch eine Tablet-Ansicht...
... und eine Mobile Ansicht.
Einer der großen Vorteile von blogger.com war immer die Statistikfunktion, und ganz offen, das ist eine der größten Schwächen von Wordpress. Man sieht zwar die üblichen Daten wie Zugriffe, Besucher, Länder, etc., Daten wie Betriebssystem oder Geräteklasse sucht man jedoch vergebens. Es mag zwar theoretisch zweitrangig sein, da praktisch alle Themes auch eine Smartphone-Version haben, allerdings war das immer eine interessante Informationsquelle. Schön und gut, in einigen der Premium-Pakete von Wordpress kann man Google Analytics integrieren, allerdings sehe ich nicht ein, für so eine Option Geld auszugeben.
Auch wenn alle grundlegenden Informationen zu sehen sind...
... so ist die Statistikfunktion von Wordpress doch eine der großen Schwachstellen des Dienstes.  War andererseits auch irgendwie zu erwarten, das Google bei Big-Data-Analyse vorne liegt.
Wo Wordpress hingegen absolut punktet ist bei de Social-Media-Integration. Man mag Facebook, Twitter, et. al. lieben oder hassen, ignorieren kann man sie in der heutigen Zeit nicht mehr. Bei blogger.com ist die Integration mit Google Plus zwar recht gut (alles andere wäre bei einem Google-Dienst auch einfach nur peinlich), Twitter, Facebook, Pinterest, oder LinkedIn sind für den Dienst aber quasi nicht existent. Da heißt es immer Link kopieren, und Post manuell teilen. Wordpress nimmt einem die Arbeit glatt ab, man muss einfach nur die Sozialen Dienste verknüpfen, die man nutzen will, und ab dem Moment wird jeder neue Artikel automatisch in den ausgewählten Diensten geteilt. Ein Arbeitsschritt weniger, um den man sich kümmern muss. 
Liebt sie, oder hasst sie, an Social Media führt kaum ein Weg vorbei, wenn man Leser für auf sein Blog leiten will.  Wordpress hat das ganze geradezu mustergültig gelöst!
Ein weiterer Punkt in dem Wordpress die Nase meilenweit vorn hat sind die mobilen Apps. Bis ungefähr Februar/März diesen Jahres gab es eine dezidierte iPhone App für blogger.com im iOS App Store, allerdings wurde diese sang-, und klanglos entfernt, so dass man von mobilen Geräten aus auf die Weboberfläche angewiesen ist. Dies mag auf Geräten der Oberklasse, wie dem iPhone 7 Plus, oder dem kommerziellen Sprengsatz Galaxy Note 7 ja auch ganz praktikabel sein, auf kleineren Geräten wie dem iPhone 5s oder SE ist dieses Vorgehen jedoch absolut unbrauchbar, und glaubt mir, ich habe es versucht. Wordpress geht da einen ganz anderen Weg. Natürlich steht einem eine Weboberfläche zur Verfügung, allerdings stellt Wordpress auch dezidierte Apps zur Verfügung. Diese gibt es für Android, iOS, Windows 7 und höher, Mac OS 10.9 Mavericks und höher (fast alle Screenshots stammen aus dieser App), sowie für diverse Linux-Distributionen. Das besondere dabei: Ob man nun von einem altersschwachen iPhone 5 (Mein Gott, wie ich die Dinger hasse!) einem LG G5, einem iPad, einem Surface Pro 4, oder einem Linux-Netbook postet, überall stehen einem fast alle Funktionen der Weboberfläche zur Verfügung. Dies beinhaltet auch die Statistik-Funktionen. Das einzige, was nach meinen Beobachtungen in der iOS-App fehlt, ist die Option, einen Text als Blocksatz zu formatieren, was nunmal mein Lieblingsstil ist. 
SO geht das mit den Mobil-Apps, Blogger.com! Die  iPhone-App für Wordpress enthält ALLE Funktionen, die es auch in der Desktop-Variante gibt. Okay, bis auf Blocksatz im Editor... 
Bei der iPad-Variante gibt es das ganze auch, nur eine Nummer breiter. Passt irgendwie zum Autor des Blogs.
Zugriff auf die Statistiken vom iPhone aus. So was sollte eigentlich selbstverständlich sein...
Zu guter Letzt, und ja, ich dreckiger Sadist habe extra bis zum Ende gewartet, um das hier zu schreiben, lässt einen Wordpress nicht im Regen stehen, wenn man einen Blog anfängt. Wenige Tage nachdem ich Blame the Weather gestartet habe, flatterte eine Email von Wordpress in meinem Postfach, in dem ein Ebook angeboten wurde mit Tipps und Tricks, wie man mehr Traffic auf sein Blog bekommen kann. Ich kann diese Ebook jedem, der bei Wordpress anfängt, nur wärmstens ans Herz legen. Die 211 Seiten haben es in sich mit nützlichen Tipps und Hintergrundinformationen, und es ist außerdem noch gut geschrieben.
Dieses Ebook bekommt man angeboten, wenn man bei  Wordpress loslegt. Ich kann es nur wärmstens empfehlen!
Ein weiteres sehr gutes Angebot für Anfänger ist Blogging University, oder Blogging U. Dabei handelt es sich um ein ganzes Arsenal an Online-Kursen, die einem helfen, sein volles Potential als Blogger zu entfalten. Dabei handelt es sich nicht nur um einfache Online-Kurse zum durchklicken, es handelt es sich um von echten Menschen geführte Kurse, die zwischen 10 und 28 Tage dauern, bei denen man bestimmte Aufgabenstellungen und die nötigen Kursmaterialien per Email bekommt, und reguläres Feedback erhält. Ich selbst habe noch keine Erfahrungen, wie sich Blogging U in der Praxis schlägt, allerdings ist es in meinen Augen offensichtlich, welche massiven Vorteile solch ein Angebot bietet. Ich wünschte, ich hätte das zur Verfügung gehabt, als ich damals vor 7 Jahren mit meinem Blog angefangen habe.
Blogging U hätte ich 2009 ganz gut gebrauchen können!
Das Kursangebot ist übersichtlich, aber durchdacht.
Man sieht also, blogger.com hat ordentlich Konkurrenz bekommen, und das sogar ohne in die Untiefen solcher Dienste wie Tumblr (was zum Geier ist das jetzt eigentlich) abzutauchen. Wordpress macht nicht unbedingt alles anders als Blogger, aber einiges besser, und zwar deutlich besser, so gut sogar, dass ich ernsthaft am überlegen bin, ob ich meine beiden momentan bei Google gehosteten Blogs zu Wordpress migriere. Falls es zu einer derartigen Migration kommt, lass ich es euch auf jeden Fall vorher wissen, und meine bisherigen Blogs werden auch nicht einfach so im Nirvana verschwinden, keine Sorge.

Kommentare

  1. Hallo Thomas,

    ich mag Blocksatz auch, der ist aber für responsive design ganz übel, weil Du damit alle Bildschirmgrößen und -Auflösungen bedienen möchtest, aber den Blocksatz nicht für all diese unterschiedlichen Textausgaben passend formatieren kannst!
    Deshalb lässt WordPress das in der mobilen App erst gar nicht zu, damit Du nicht in diese Design-Falle läufst. ;-)

    Also: harte Textumbrüche und etwas anderes als Fließsatz innerhalb von Absätzen ist ein No-go im Responsive Design!

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