Überraschender Symbiont - Nokia C6 im Test

Nein, ich habe meinen Meilenstein nicht in die Wüste geschickt! Aber als ich gehört habe das sich mein Vater ein Smartphone als Ersatz für sein altes Motorola V3i Razr zugelegt hatte, da hab ich die Möglichkeit ergriffen das Gerät mal zu testen.


Das "Opfer" ist in diesem Fall ein Nokia C6, ein neues Modell das erst im April 2010 von  Nokia vorgestellt wurde. Wie auch die anderen Geräte der CSeries von Nokia ist auch das C6 als halbwegs günstiges Smartphone für den Massenmarkt gedacht. Als eines der Wenigen CSeries Geräte verfügt das C6 hierbei über eine vollwertige QWERTZ-Tastatur.



Die Technischen Spezifikationen auf der Nokia-Homepage hören sich schon mal recht beeindruckend an:


  • 3,2-Zoll-Touchscreen (resistiv) mit 640x360 Pixeln
  • 434-MHz-CPU (genauer Typ nicht ermittelbar)
  • 128 MB RAM
  • Slot für Mini-SDHC-Karten bis 16GB (2GB-Karte im Lieferumfang)
  • GSM, UMTS, GPRS/EDGE, HSDPA
  • Lagesensor, GPS-Empfänger, FM-Radio
  • 5-MP-Kamera mit Autofocus und Foto-LED
  • 1200 mAh-Lithium-Ionen-Akku
  • Ausziehbare QWERTZ-Tastatur.
Das Gehäuse selbst ist aus Plastik, wirkt dabei jedoch sehr gut verarbeitet und solide, was auch durch das relativ hohe Gewicht noch verstärkt wird. Weniger gut ist die Verteilung der Verschiedenen Anschlüsse über die gesamte Länge des Gerätes. Während die 3,5mm-Kopfhörer-Buchse und der micro-USB-Anschluss an der Oberseite des Gerätes zu finden sind, befindet sich der Stromanschluss, ein Proprietärer 2mm-Anschluss von Nokia, an der Unterseite. Wiederum gut mitgedacht wurde bei der Ladestandsanzeige, einem beleuchteten Ring um die Anschluss-Buchse der aufleuchtet so lange der Akku geladen wird.




Androide und Symbiont nebeneinander - Der Größenunterschied ist offensichtlich.




Beim "Mäuseklavier" ist der Unterschied allerdings nicht ganz so groß

Das Betriebsystem des Nokia C6 ist Symbian OS 9.4 das mit der Oberfläche S60 5th Edition versehen wurde, also nicht mehr das neueste. Trotzdem geht die Bedienung recht gut von der Hand, auch wenn man sich ganz schön umgewöhnen muss. Wie bei allen modernen Smartphones so kann man sich auch beim Nokie C6 seinen Homescreen frei mit Widgets bestücken. Im Gegensatz zu iOS oder Google Android gibt es bei Symbian jedoch nur einen solchen Screen. Für alle anderen Anwendungen muss man auf das Menü zurückgreifen. 
Gewöhnungsbedürftig ist der resistive Touchscreen, der jedoch meistens sehr schnell reagiert. Ebenso gewöhnungsbedürftig ist die Doppelklick-Logik von Symbian, die fast schon etwas von Windows hat!


Home sweet home - Der Homescreen des C6, mit einigen Widgets verfeinert


Auch bei einem Smartphone ist die Wichtigste Funktion die Telefonie. Das C6 gibt sich hier keine Blöße, sowohl der Anrufer als auch der Anrufende sind klar zu verstehen. Die integrierte Freisprechfunktion habe ich jedoch nicht getestet. Aufgrund der QWERTZ-Tastatur hat Nokia auf einen separaten Ziffernblock verzichtet, und nur den Virtuellen Ziffernblock auf dem Display übrig gelassen. Der Reagiert jedoch halbwegs akzeptabel.


Eine Schnelle Nummer? Die Telefonfunktionalität gibt keinen Anlass zur Kritik.

Auch die E-Mail-, bzw. Messagingfunktion ist gut gelungen. Alles andere wäre auch peinlich gewesen, vor allem weil Nokia in dem Feld mehr als genug Erfahrung hat, der uralte Nokia Communicator hat das Smartphone-Segment praktisch mit erfunden. Leider sind beide Punkte tief im Menü vergraben, lassen sich aber über ein Widget auf dem Homescreen schnell erreichen. Die Restlichen PIM-Funktionen, wie der Kalender oder das Adressbuch sind, wie man es von Nokia erwarten sollte, routiniert, aber nichts weltbewegendes.


You've got Mail! - Die E-Mail-Suite ist grundsolide. Nur mit Anhängen gibt es manchmal 
Probleme.




DIe Tage fliegen mal wieder dahin - Der Kalender macht alles was man von ihm erwarten kann.




Kontakt! - Das Adressbuch bei Nokia-Handies ist eigentlich recht gelungen.


Eine neuere Nokia-Entwicklung ist die Ovi, deren Name sich vom Finnischen Wort für Tür ableitet. Ovi umfasst neben einem Mail-, und IM-Angebot, einem Musik-Portal, oder einer Synchronisations-Suite auch zwei Angebote auf die ich in diesem Test näher eingehen will. Das erste ist Ovi Maps, die Navigationslösung von Nokia. Im Gegensatz zu Lösungen wie Google Maps Navigation lädt man sich bei Ovi Maps das Kartenmaterial über eine PC-Suite direkt aufs Handy, das heißt das erheblich weniger Datentransfer auftritt, was wiederum Flatrates, Kosten, bzw Kreditwürdigkeit schont ;-)
Die Navigation selbst ist gut, auf einer Weihnachtsgeschenke-Tour im Rhein-Neckar-Raum konnte ich sie ausgiebig testen. Streckenfindung ging innerhalb weniger Sekunden vonstatten, und auch nach einem Abweichen von der bestehenden Route wurde innerhalb kürzester Zeit eine Ersatzroute gefunden, meistens innerhalb von vier Sekunden. Ebenfalls praktisch ist die Geschwindigkeitsanzeige, sowie die Anzeige wenn man eine Geschwindigkeitsbegrenzung überschritten hat, auch wenn die Datenbank für letzteren Fall etwas veraltet ist. 



Navigatoren verirren sich nie, sie sind sich nur kurzfristig über ihre Position im unklaren - Das kann mit Ovi Maps nicht mehr passieren!

Die andere Anwendung ist der Ovi Store, Nokias Anwort auf Google's Android Market und den App Store von Apple. Die Handy-Anwendung ist gut durchdacht. Man hatte ja auch genug Zeit sich an der Konkurrenz zu orientieren. A propos Konkurrenz, die auf dem Ovi Store kann sich durchaus sehen lassen. Im Vergleich zum Apple App Store mit momentan 300.000 Anwendungen, und dem Android Market mit seinen 170.000 verfügbaren Programmen sind die 28000 Apps im Ovi Store noch überschaubar. Es ist jedoch die Komplette Bandbreite von Spielen bis zu Office-Anwendungen verfügbar.



Für jeden Geschmack etwas dabei - der Ovi Store

Die für mich wichtigste App auf einem Smartphone ist der Medienplayer. Der auf dem C6 lässt eigentlich nicht viel vermissen. Er bietet alle Funktionen die man von so einem Programm braucht. Auch die eingebauten Lautsprecher liefern einen beeindruckenden Klang. Leider kann man das von den mitgelieferten Kopfhörern/Headset nicht behaupten. Der Klang ist bassarm, die höhen klingen mehr als blechern. Der Kopfhörer hat schwach angefangen und dann stark nachgelassen! Mit dem Richtigen Kopfhörer oder Headset sollte der Klang jedoch wieder einwandfrei sein.


Let the music play - Der Medienplayer ist guter Standard.


Für die Fotoshow gut geeignet auch wenn die Kamera ein Witz ist. Die Mediengallerie macht nicht viel falsch.

Jedes Smartphone ist nur halbfertig ohne einen Browser. So einer wie der Defaultbrowser vom C6 muss es aber nun wirklich nicht sein. Das was Nokia da zusammengestrickt hat kann man wirklich nur als Frechheit bezeichnen, weshalb er auf dem Testgerät auch gleich entfernt wurde. Statt dessen wurde Opera Mobile aus dem Ovi Store installiert, der wirklich gut funktioniert. Beim Testgerät konnte man allerdings einmal deinstallierte Software nicht wieder aufspielen, desegen VORSICHT bei dem was runterschmeißt. Ebenfalls konnte man bei Opera beobachten das man außerhalb des heimischen WLAN beim erstmaligen Surfen einen Link doppelt angeben musste damit die Site in Opera angezeigt wurde. Ob dies ein Fehler ist, oder eine Sicherheit gegen unbeabsichtigen Datenverkehr kann ich nicht sagen. Es stört jedenfalls nicht wirklich, zumindest mich.



A night at the Opera - Eine gute Alternative für den minderwertigen Standard-Browser.

Nebenbei verfügt das Nokia C6 auch über einen Youtube-Client sowie ein Radio, Web-TV Clienten etc. Ich habe nur den Youtube-Client getestet, und bei dem war das Video-Playback alle 5 Sekunden von Nachladepausen unterbrochen. Generell merkt man das der Prozessor ziemlich viel zu tun hat. Ab und an kommt es zu "Gedenkpausen" bei der Bedienung, die jedoch kaum ins Gewicht fallen. Multitasking wie bei einem Windows-PC ist beim C6 jedoch nicht zu empfehlen.
Alles in allem ist das C6 eine runde Sache. Auch wenn das Gerät sicher nicht mit den aktuellen Super-Smartphones wie dem Milestone 1 und 2, dem Desire Z, dem Wildfire etc. mithalten kann, so bietet es doch einen guten Einstieg in die Welt der Smartphones. Und bei Preisen ab 216€ laut Heise Presivergleich wird es schon verdammt schwer, vergleichbare Angebote mit QWERTZ-Tastatur zu finden.

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