Das Ende einer Ära - Sony Ericsson Xperia Arc S

Klein, Schwarz, Stark? - Das Sony Ericsson Xperia Arc S (Bild: Sony Mobile)
Es gab eine Zeit, da war die schwedische Firma Ericsson einer der ganz großen Namen im Mobilfunkgeschäft. So gehörte es zu den Unternehmen, die maßgeblich an der Entwicklung des Bluetooth-Drahtlosstandards beteiligt waren. Auch nachdem die Mobilfunkspüarte von Ericsson im Jahr 2000 in das Joint Venture Sony Ericsson übernommen worden war, machte das Unternehmen immer wieder mit beeindruckenden Geräte. Trotz allem wurde das Ende von Sony Ericsson im Herbst 2011 besiegelt, als Sony die verbliebenen Anteile von Ericsson aufkaufte.
Kurz vor dem Ende brachte Sony Ericsson jedoch noch ein Gerät heraus, dass es noch einmal richtig in sich hatte: Das Xperia Arc S. Theoretisch ist das Xperia Arc S nur ein Aufguss des früheren Xperia Arc. Äußerlich unterscheidet es sich quasi nicht von diesem. Die Differenzen liegen "unter der Haube." So wurde anstelle der 1-Ghz-CPU des Xperia Arc ein 1,4-GHz-Prozessor eingesetztSo viel sie vorweg genommen, den Performance-Schub merkt man, erst recht mit Android 4.0 ICS. Auch die Kamera wurde verbessert, ebenso diverse Detailprobleme des Vorgängers behoben. 
Für mich war das Timing quasi perfekt. Schließlich zeigte mein bisheriges Smartphone, ein Motorola Milestone, mittlerweile deutliche Alterserscheinungen. Pläne, den Stein zu ersetzen gab es schon seit längerem, allerdings waren die verfügbaren Modelle auf dem Markt allesamt nicht das wahre, und entweder zu klein, ohne modernes Betriebssystem, oder der Hersteller hatte die Geräte faktisch aufgegeben. Außerdem wollte ich diesmal auch etwas auf Preis schauen.
Ende Mai waren die Bedingungen dann endlich richtig, also nix wie bestellen die Kiste. Die Lieferung dauerte etwas länger als ich es gewohnt bin. Okay, ich hatte bei O2 bestellt, und die nutzen wiederum Arvato für die Lagerhaltung und den Versand, da muss man schon auf das schlimmste gefasst sein.  
Was soll ich sagen? Sony hat den Bogen halt raus! (Bild: Sony Mobile)
Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als man sich beim auspacken eines Mobiltelefons erst einmal durch diverse Kubikmeter an Bedienungsanleitungen, Garantieformularen, Sicherheitshinweisen und Haftungsausschlüssen graben musste. Die Papierarmut in der Schachtel des Xperia Arc S ist dagegen eine Wohltat. Eine Kurzanleitung, eine Garantiekarte samt Hinweiszettel, und etwas Werbung. Das war's. Den Rest gibt's Online auf der Sony-Homepage. Das Gerät selbst sieht einfach nur edel aus, erst recht wenn man, wie ich, die schwarze Variante bestellt hat. Die Kombination aus schwarzer Klavierlack-Oberfläche und chromfarbenen Elementen an den Seiten lässt das Gerät doch sehr hochwertig aussehen. Und mehr Stil als diese Protzhandies von Vertu hat das Xperia Arc S auf jeden Fall.
Die Verarbeitung ist durchweg sehr gut, zumindest wenn das Gerät einmal im Betrieb ist. Ich muss jedoch gestehen, das ich Blut und Wasser geschwitzt habe, als es darum ging, Akku, Speicherkarte, und SIM einzusetzen. Der Akkudeckel besteht nämlich aus ziemlich dünnen Plastik, und biegt sich beim abnehmen sehr stark durch, so dass man Angst bekommt, ihn zu zerbrechen. Sobald er jedoch einmal drauf ist, ist von dieser Zerbrechlichkeit nix mehr zu spüren. Das ganze Gerät wirkt sehr solide, obwohl es ein "Plastikbomber" ist. Durch die gebogene Form des Gerätes wirkt das Xperia Arc S außerdem noch schmaler, als es tatsächlich schon ist.
An Zubehör hat Sony Ericsson relativ wenig dabei. Außer dem üblichen Netzteil mit separatem USB/Ladekabel liegt nur noch ein Kabelheadset vom Typ MH650 bei. Dazu noch  der oben erwähnte  Papierkram, und eine 8-GB MicroSDHC-Karte. Das war's
Wie bei einem Touchscreen-Smartphone üblich dominiert der Bildschirm das Gerät, in diesem Fall ein kapazitiver 4,2-Zoll-Touchscreen. Die Displayqualität ist umwerfend, Sony hat hier nämlich eine abgewandelte Variante seiner Bravia-Engine zum Einsatz gebracht. Auch wenn das gewisse etwas von Samsung's Super-AMOLED-Displays fehlt, so braucht sich dieses hier wirklich nicht zu verstecken.
Softwareseitig ist ab Werk Android 2.3.4 installiert. Bereits im letzten Jahr hatte Sony Ericsson jedoch angekündigt, das alle Geräte aus dem Modelljahr 2011 das Update auf Android 4 "Ice Cream Sandwich" bekommen würden. Dieses wurde dann auch im April zur Verfügung gestellt. die Installation über die Desktop-Software von Sony war schnell und Problemlos. Tja Motorola, so muss das laufen!
Wie läuft das ganze nun im täglichen Betrieb?
Verdammt gut! Laut dern Pressemitteilungen von Sony Ericsson steht das S beim Produktnamen für Speed, und so wie sich das Gerät bedienen lässt, ist dies definitiv nicht nur ein Marketing-Gag. Die Bedienung des Geräts ist absolut flüssig, auch die Bedienverzögerungen nach dem Upgrade auf ICS, von denen in manchen Foren zu lesen ist, kann ich nicht nachvollziehen.
So hab ich's gern! Die Benutzeroberfläche des Xperia Arc S unter Android 4 ICS


Ein großer Vorteil beim Umstieg vom Motorola Milestone auf das Arc S ist, das die Anwendungen einem alle sehr vertraut vorkommen. Auch das synchronisieren der Daten ist ein Kinderspiel, zumindest wenn man einen Google Account hat. Eifach einloggen, schon haben alle wichtigen Apps die nötigen Daten. Dann einfach noch die gekauften oder heruntergeladenen Apps aus Google Play, dem ehemaligen Android Market, herunterladen, die man haben will, und das war's.
Die PIM-Funktionen sitzen. War auch nicht anders zu erwarten.
Gleiches gilt für die Telefon-Funktion. Die Gesprächsqualität kann sich, zumindest an meinem Ende, sehen lassen.
Einfacher geht's echt kaum. Die Bedienung der Standard-Apps ist android-typisch einfach. Gerade die Google Mail App ähnelt in ihrem Look sehr dem Gegenstück auf den Asus Eee Pads und anderen Android-Tablets. Okay, das könnte allerdings auch daran liegen, das auch mein Eee Pad Slider mittlerweile auf ICS läuft.
Okay, die typischen Smartphone-Anwendungen beherrscht das Xperia Arc S mit links. Wie sieht es nun im Medienbereich aus? Nun, Musik war schon immer eine der Stärken von Sony Ericsson, was nicht zuletzt am Erbteil von Sony liegt. Deren Kopfhörer mögen zwar nachgelassen haben, aber ansonsten weiß man bei denen, wie man Geräte mit gutem Klang hinbekommt.
Das Sony, die Erfinder des Walkmans, beim Musikplayer nicht patzen war irgendwie klar...
Eine Besonderheit bei Sony-Ericsson-Geräten ist Timescape, ein Widget das einem gebündelt die jeweiligen Aktivitäten in Facebook, Twitter, sowie die letzten Anrufe und Nachrichten anzeigt. Es gibt außerdem die Möglichkeit, über Google Play weitere Plugins für Timescape herunterzuladen. Allerdings gibt es zwei Einschränkungen. Das Gmail-Plugin funktioniert nicht, und der Facebook-Feed zeigt alles an, was gepostet wird, auch Einträge die man eigentlich blockiert hat. Und ich dachte, ich wäre die Frontierville-Posts meiner Freunde losgeworden!
Timescape - Gute Idee, noch besser wäre es wenn die Filtereinstellungen von Facebook übernommen werden würden.
Einen wichtigen Aspekt habe ich bis jetzt noch nicht erwähnt, nämlich die Batterie-Leistung. Die ist für ein Smartphone dieser Leistungsklasse durchaus akzeptabel. Mit aktivierter Synchronisierung für meine diversen Konten (Google, Facebook, etc.), sowie ca. zwei bis drei Stunden Musikplayback über Bluetooth (mit Kabeln kann man mich mittlerweile jagen!) komme ich auf 20-24 Stunden Laufzeit. Wie es ohne Musikplayback aussieht muss ich noch testen, aber generell sind die Akkuzeiten schon okay. Vor allem sind sie nachvollziehbar, im Gegensatz zu meinem alten Milestone, das die Werte mehr oder Weniger gewürfelt hat.
Und nun zu etwas ganz anderem, um es mit Monty Python zu sagen, und zwar zum leidigen Problem des Schreibens auf Touchscreens.
Ich gebe zu, als es daran ging, mein Motorola Milestone zu ersetzen war mir zuerst etwas unwohl bei dem Gedanken, ein Gerät vollkommen ohne externe Tastatur zu verwenden. Ich war zwar der erste in meiner Familie, der auf Touchscreen-Geräte umgestiegen ist. aber irgendwo in mir drin steckt halt doch noch der Junge, der auf MS DOS das elektronische laufen lernte. Wer einmal mit Command-Line-Befehlen gearbeitet hat, dem wird halt etwas unwohl, wenn man die Tastatur über Bord wirft.
Sogar Mailen geht bequem von der Hand.
Beim Xperia Arc S ist das kein Problem. Die On-Screen-Tastatur ist absolut einfach und schnell zu bedienen, besser als die physische Tastatur des Milestone. Dies liegt nicht zuletzt auch am Guten Display des Arc S.
Tja, Sony hat den Bogen raus. Dieses Wortspiel bietet sich bei einem Gerät wie dem Arc S ja praktisch an. Um den Bogen zum Abschluss zu schlagen, dieses Gerät ist absolut die richtige Wahl für alle, die ein leistungsfähiges Smartphone zu einem akzeptablen Preis wollen. Natürlich kann es mit den aktuellen Boliden von Samsung oder HTC, dem Galaxy S3 oder dem One S, sowie der Telefoniefähigen Bodenfliese Galaxy Note nicht mithalten. Trotzdem erhält man viel Smartphone für sein Geld, und die Updatepolitik von Sony Ericsson (jetzt Sony Mobile) tut ihr übriges. Ohne den Bogen überspannen zu wollen kann man ganz klar sagen, mit so einem Abschied bleibt man in Erinnerung!

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