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Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet

Jetzt ist es also passiert. Politische Gewalt ist von den Rändern ins Zentrum der Gesellschaft zurückgekehrt. Der Mordanschlag auf Henriette Reker heute morgen in Köln hat dies unmissverständlich ans Tageslicht gebracht. Er wurde von allen zivilisierten Parteien gleichermaßen aufs schärfste verurteilt, und trotzdem bleibt das unangenehme Gefühl, das hier ein Rubicon überschritten wurde. Der Anschlag, und die Reaktionen darauf, deuten ganz klar daraufhin, das es einen Teil der Bevölkerung gibt, der nicht mehr gewillt ist, demokratische Prozesse, oder abweichende Meinungen zu akzeptieren. Und genau aus diesem Milieu, aus dem Kreise jener “Besorgten Bürger”, jener “Patriotischen Europäer”, kommt auch der Angreifer, wie er selbst nach seiner Festnahme bei der Vernehmung geäußert hat. View image | gettyimages.com Es ist ein Glück, das Frau Reker offenbar außer Lebensgefahr ist, und es ist auch richtig, das die Bürgermeisterwahl in Köln wie geplant morgen stattfinden wird. D...

Verlogenheit hoch 3 - Gedanken zum 3. Oktober

Der 3. Oktober. Kaum ein Deutscher kennt diesen Tag nicht, schließlich wird an ihm doch die Wiedervereinigung Deutschlands gefeiert. Für viele Deutsche ist er trotzdem nicht mehr als ein gern gesehener freier Tag (sofern er nicht, wie dieses Jahr, auf ein Wochenende fällt, haa, haa!), der von den Politikern gerne zur Selbstbeweihräucherung und Inszenierung dargestellt wird. Immerhin war die Wiedervereinigung doch ein Riesenverdienst der Politik. Mein Gott, ist mir nach dem schreiben des letzten Satzes schlecht! Ja, der Fall der Mauer, und die Wiedervereinigung sind beachtliche politische Meilensteine, doch im Endeffekt waren diese Ereignisse weniger ein Erfolg der Politik, als ein Zeichen ihres massiven Versagens auf beiden Seiten des Vorhangs. Die eigentlichen Helden der Wiedervereinigung sind diejenigen, die in den späten 1980ern, allen Einschüchterungsversuchen der Stasi zum trotz, auf die Straße gegangen sind, um gegen das immer stärkere Erstarren ihrer Heimat, und für ihre Rech...

Ich kann es jetzt schon nicht mehr hören

Das 2. Jahrzehnt des 20. Jahrhundert war eine Schicksalsdekade für Irland. Der Dublin Lockout, der Generalstreik in Dublin 1913 war der erste in einer ganzen Reihe von Aufständen, die 1922 zur Unabhängigkeit des Landes führen würden. Der wichtigste dieser Aufstände war mit Sicherheit das Easter Rising, der Osteraufstand im Jahr 1916. Jeder, der in der Irischen Politik bis in die 1950er-Jahre etwas auf sich hielt, hatte eine Verbindung zu diesem Aufstand. Eamon de Valera, Michael Collins, James Connolly, alle waren sie dabei. Dabei wird geflissentlich ignoriert, das jene Kämpfer des Jahres 1916 ganz und gar nicht im Namen des Volkes handelten, wie sie behaupteten. Auch wird ignoriert, dass der Osteraufstand schlecht geplant, und überhastet gestartet wurde, ohne, dass die Aufständischen überhaupt die nötigen Truppen oder Waffen in Position hatten. Es war militärisch gesehen ein Debakel allererster Güteklasse.  Dies tut der Götzenanbetung für ...

Mit wenig Mitteln viel ausrichten - Ein Portrait der Irischen Marine

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Wenn man an Irland denkt, dann kommen einem alle möglichen Bilder in den Sinn, von grünen Hügeln, Kirchen, Guinness, oder eventuell auch Bilder von Unruhen im Norden der Insel. Ein Bild wird aber mit Sicherheit nicht dazugehören: Das einer Irischen Marinekampfgruppe auf dem Weg in den Kampf. Das ist auch nicht wirklich weiter verwunderlich, immerhin wurde das Verteidigungsressort, ebenso wie Infrastruktur oder Innere Sicherheit lange Zeit von verschiedenen Regierungen mehr als stiefmütterlich behandelt. Und doch sind seit Monaten Irische Kriegsschiffe vorne mit dabei bei der, übrigens absolut richtigen, Operation der EU im Mittelmeer. Mit Schiffen, die oftmals nur halb so groß sind wie die der anderen EU-Staaten holen die Männer und Frauen des Irish Naval Service oftmals die gleiche Menge an Flüchtlingen an Bord. Ohne mit der Wimper zu zucken. Das es in letzter Zeit auch im deutschsprachigen Raum einiges an Interesse an diesen Operationen gibt, habe ich nicht zuletzt an ...

Die Rückkehr der Seevölker? - Gedanken zur aktuellen Flüchtlingswelle auf dem Mittelmeer

Kaum ein Thema ist in den Medien in den letzten Wochen und Monaten so hochgekocht, wie die andauernde Flüchtlingskrise im Mittelmeer. Kaum ein Tag, an dem nicht vermeldet wird, dass europäische Marinekräfte wieder einmal hunderte Flüchtlinge aus ihren teilweise wirklich lebensgefährlichen Kähnen und Flößen rausgefischt haben. Selbst die Irische Marine, weiß Gott keine beeindruckende Seemacht, hat in den knapp zwei Monaten ihres Einsatzes schon fast 3400 Menschen an Bord genommen. Die Zahlen sind so groß, dass der menschliche Verstand teilweise aussetzt. Es erinnert mich teilweise an den Geschichtsunterricht im Gymnasium in Österreich, an eine absolut faszinierende Epoche der Antiken Geschichte: Den Ansturm der Seevölker. Als kleine Auffrischung für diejenigen, deren Geschichtskenntnisse mit der Geburt von Justin Bieber aufhören: "Seevölker" ist ein Sammelbegriff für eine ganze Reihe von Angreifern, die im 12. Jahrhundert vor Christus über den östl...

Vom Lee zum Liffey - Ein Wochenende in Dublin

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Man kann es nicht anders sagen, die letzten Tage waren bemerkenswert. Nicht nur das Irland für mehrere Tage puren Sonnenschein genießen durfte, was in diesem Land als Sensation und Hitzewelle durchgeht, ich bin auch freiwillig nach Dublin gefahren. Wer seit längerem meine beiden Blogs liest, der weiß, das ich keine allzu gute Meinung über die Stadt am Liffey habe. Nachdem ich jedoch Ende Januar zwei aus Diskretionsgründen nicht näher benannte Verwandte am Flughafen Dublin in Empfang genommen hatte, und dafür eine Nacht in Dublin verbracht hatte, dachte ich mir, das es nicht schaden kann, die Stadt trotzdem mal zu erkunden. Man soll ja nix verteufeln, was man nicht selbst ausprobiert hat. Für die Anreise gab es eigentlich nur eine Alternative: Die Bahn. Wer mich kennt, der weiß, das ich Busfahrten, nun ja, nicht gerade verabscheue, sich meine Begeisterung jedoch arg in Grenzen hält. Nachdem es jedoch keine Direktflüge zwischen Cork und Dublin gibt, was mit Verlaub, auch ziemlicher Sc...