Anatevka - Auf der Zielgeraden

Samstag, 15.05.2010. Die Willi-Salzmann-Halle gleicht einem Bienenstock. Die Techniker baumeln an der Traverse um letzte Einstellungen an der Beleuchtung vorzunehmen, Das Orchester ist dabei seine Instrumente zu stimmen, und auf der Bühne türmen sich Mikrofonkoffer und Requisiten. Reines Chaos, wie üblich also. 


 Okay, Kabel sind angeschlossen, Birnen sind drin, an ist es. WIESO FUNKTIONIERT DAS DING NICHT?????


Ab in die Garderobe und rein ins Kostüm. Dieses Verdammte Uniformhemd ist schon wieder geschrumpft! Die Maske ist komplett überfüllt weshalb ich noch einmal vor die Tür gehe. Unser Regisseur ist dort gerade dabei seine Atemwege neu zu teeren. Er konfrontiert mich mit einer Handfesten Überraschung: Alexander, unser großer Schläger in der Hochzeitsszene, ist mit Magen-Darm-Grippe außer Gefecht. Das heißt, die Schlägerei muss ich selbst machen. Kein Problem, ich muss es nur ein paar mal Proben. Hoffentlich hat unser Holger 'ne Gute Krankenversicherung. Meine Haftpflicht ist es jedenfalls.

 Zukünftige Stars in der Maske...

Inzwischen hat sich das Chaos in der Maske etwas geleert, also ab nach hinten. Die Mädels in der Maske kennen sich aus und in weniger als zehn Minuten bin ich bühnenfertig. Ab auf die Bühne zum Einsingen. Nach einigen Aufwärmübungen kommt die Chefin selbst und hält noch mal 'ne kurze Ansprache zur Motivation. Eigentlich nicht nötig denn die Atmosphäre knistert auch so. Noch kurz werden drei Stücke geprobt, dann werden wir auch schon hinter die Bühne gesteckt. Auch das Orchester eilt aus seiner Garderobe zu seinen Plätzen. Applaus donnert aus dem Saal herein, anscheinend hat unsere Chefin das Dirigentenpult betreten. Tatsächlich. Die Geigerin fängt an zu geigen (wem geigt sie denn die Meinung?) und schon geht's raus auf die Bühne. Erscheckende Feststellung: Der Bass ist extrem zusammengeschrumpft! Hinter den Bassisten in der Ersten Reihe verstecken wie es im Skript steht geht also nicht mehr. Naja, Kein Plan übersteht den ersten Kontakt mit dem Publikum, oder wie hat dieser kleine Korse noch gesagt?

 Zwei doppelte Scotch bitte - Au ja, für mich auch!

Aber ansonsten läuft die Tradition einwandfrei. Der Vorhang fällt, Umbau zur 1. Szene und dann nix wie runter von der Bühne. Das ist wirklich ein Labyrinth da hinten! Ich park mich auf der Bühnentreppe um den Fortgang des Stücks zu beobachten. Es läuft einwandfrei, die Gags sitzen immer besser. Und auch die Wirtshausszene läuft wie am Schnürchen. Mit Alkohol und Spielkarten kennt sich unser Chor halt aus. Meine 1. Szene steht an, also nix wie raus auf die Bühne. Mangels Bühnenaufgang muss ich zwischen Vorhang und Wand raus. Verdammt ist der Durchgang eng, ich muss echt abnehmen! Der Dialog selbst klappt einwandfrei, und dann ab durch den Vorhang. Moment mal! Hier fehlt doch was! Wo zum Geier ist die Lücke im Vorhang???? Nach gefühlten Jahren des Suchens schaff ich es doch noch, meinen Abgang zu machen. Ab nach hinten und auf die Schlägerei vorbereiten. Auf der Bühne sind die Kollegen bei der Geisterszene angekommen. Die Szene geht mir mittlerweile auf selbigen, so oft wie wir die geprobt haben. 
Bühnenumbau für die Hochzeit. Ich steh bereits hinter der Bühne während die Bühnenarbeiter noch die Bühne umgestalten. Da geht die Arbeitsbeleuchtung aus, Spots und Bühnenscheinwerfer gehen an und der Vorhang geht auf. Alles soweit gut, nur steht noch einer der Bühnenarbeiter auf der Bühne. Er rennt Richtung Bühnenausgang, auf einmal ein Lautes *KLATSCH* und unser Bühnenarbeiter kommt mit der Eleganz eines gestrandeten Albatross durch den Bühnenausgang gesegelt.
Der Hochzeitstanz hört sich von hinter der Bühne gut an, die Gesichter der Ballett-Mädels sprechen jedoch eine andere Sprache. Zeit zum drüber Grübeln gibt es nicht. Ab auf den Rechten Bühnenflügel für das Pogrom. Meine Wachen trudeln auch ein, also raus auf die Bühne. Stühle fliegen, der Tisch landet wie üblich auf dem Boden. Ich versuch noch die Leuchter einzusacken als ich auf einmal ein Gewicht auf meinem Rücken spüre. Aha, unser Revoluzzer. Umdrehen, abschütteln, am Kragen packen und eine aussagekräftige Rechte. Er bricht Formvollendet zusammen, scheint wohl bei den Griechen gelernt zu haben.

Ey Alda, fass mich nich an!!!

Ich hab dir gesagt du sollst mich nicht anfassen!!!! 

Abmarsch zum Publikum, gezielte Tritte gegen diverse Stühle, schockierte Blicke von den Gästen, wie es sein sollte, und das war's auch schon für den ersten Akt. Pause und nix wie raus an die frische Luft, in der Halle kann man selbige nämlich schneiden. Positive Reaktionen aller Orten, das Publikum ist begeistert. Ich eher weniger, vor allem von der Technik. Die macht nämlich was sie will, mehr Mikro-Aussetzer als bei der Premiere in Heldenbergen, und das will schon was heißen. Aber auch in meiner eigenen Truppe gibt es Schwierigkeiten.  Einer der Bühnenarbeiter kommt wie ein geölter Blitz auf mich zugeschossen.
Wir hätten bei der Randale die Kulissen beschädigt. Ich komm mit auf die Bühne. Tatsache, ein ca 3cm großes Stück der Spanplatte der Kulissen ist eingedrückt. Die Soldaten haben die Tischplatte in die falsche Richtung geworfen. Bei der letzten Aufführung also sicherstellen das die Platte in die Richtige Richtung (Bühnenvorderseite) geworfen wird. Kein Problem, falls er zu weit fliegt auch nicht, in der 1. Reihe sitzen ja nur Ehrengäste, die können es ja ab ;-)
Es geht weiter. Ab zurück in die Garderoben. Schlagstock einstecken für die Vertreibung und dann gibt es mal wieder Ein Theaterstück in einem Musical: Warten auf Godot steht an: warten, warten, warten...
Die Verstoßung ist wieder mal einwandfrei, und schon muss ich wieder auf Position. Awram gibt das Stichwort und raus. Alles läuft einwandfrei, auch das Abdrängen. Nanu, warum wird das ganze hier so eng auf einmal? Mist, der Bühnenausgang ist schmaler als Gedacht. Und natürlich ist der Backstagebereich wieder zugeparkt wie die Bürostadt Niederrad an einem Werktag! Kann der Chor nicht an einem anderen Platz auf seinen Auftritt warten?
Und dann sind wir auch schon am Ende. Die Vertreibung selbst funktioniert einwandfrei. Die Neue Abschlußszene von mir dagegen hakt etwas. Der Vorhang kommt zu spät, und meine Kollegen ebenfalls. 
Aber alles in allem hat es gut geklappt, die Atmosphäre war wie üblich genial. Ich war gespannt was bei der Abschlussvorstellung so alles noch auf uns zukommen würde. Jetzt stand jedoch erst mal die Rocknacht an. Gut so, weil ich durch diese ver[BEEP]te Tradition schon 'nen Ohrwurm hatte! Es gibt noch nix besseres als etwas ACDC um das zu korrigieren. 
Bilder gibt es von der Rocknacht noch keine, jedenfalls keine die ich so veröffentlichen möchte. Von der Veranstaltung selbst gibt es wie üblich auf der Projekt-Homepage meines Vaters, der als diensthabender Paparazzo wieder einmal Angst und Schrecken unter den Teilnehmern verbreitet hat. Die Bilder die ich diesmal verwendet habe stammen von seiner Website. Ich selbst war zu sehr mit Spielen beschäftigt als das ich mich um Fotos hätte kümmern können.

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